Alexander Klock
Lennard besprochen von
Nicole Engbers
am 18. Oktober 2006Eine Geschichte gegen das Abstumpfen
Aus der Cover-Beschreibung: "Das Hostage Rescue Team, eine Spezialtruppe des FBI zur Geiselrettung, steht im Einsatz gegen eine bis dahin unbekannte Gruppe zum Äußersten entschlossener Terroristen. Weil die anfänglichen Aktionen der Terroristen nicht die erwartete Publicity bringen, eskaliert die Lage."
Zugegeben - das ist nicht gerade der Stoff, der mich gewöhnlich zum Kauf eines Buches reizt. Und doch war ich neugierig auf "Lennard" von Alexander Klock - das drittplazierte Buch im EWK-Autorenwettbewerb 2004. Ein 18-jähriger Nachwuchsautor, der sich auf fast 400 Seiten mit einem derart komplexen, vielschichtigen und Angst auslösenden Thema wie dem Terrorismus und dessen Bekämpfung auseinandersetzt - das hat mich bereits vor dem Aufschlagen der Lektüre fasziniert.Auch wenn der Stoff hollywood-reif ist, so ist das Buch doch viel mehr als das. In "Lennard" beschränkt sich der Autor nicht auf die üblichen Blockbuster-Zutaten: guter Held - böser Feind - zarte Romanze. Der Gegner ist keine unbesiegbare Personifizierung des Bösen, der Held kein genetisch bevorzugtes Naturtalent. Alexander Klock beschreibt sachlich und mit beeindruckendem Fachwissen nicht nur das Was, sondern auch das Wie und Warum der unbegreiflichen, beängstigenden Taten, mit denen wir täglich konfrontiert werden, die schon Teil unseres medialen Alltags geworden sind. Der Autor stellt Lennard - Mitglied der Spezialtruppe und Hauptakteur des Romans - nicht als grenzgenialen Einzelkämpfer, sondern als Puzzlestück eines speziell ausgebildeten Systems dar, das nur als Ganzes funktionieren kann. In "Lennard" geht es nicht um Heldentum, sondern um harte Arbeit.
Wie die Terrorbekämpfung, gleicht auch die Handlung des Romans einem Netz. Die parallel laufenden Handlungsstränge kreuzen sich immer wieder und sorgen somit für manchen Überraschungseffekt. Das hält die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht.
Der Wert des Buches liegt besonders in seinem Aufklärungspotential: indem der Autor die LeserInnen nicht mit detaillierten Beschreibungen verschont, macht der Roman das Unbegreifliche ein Stück weit greifbar. Das schützt sicher nicht vor Angst, doch vielleicht vor der drohenden Abstumpfung.
Nicole Engbers