Renate Seifert
Seine Durchlaucht lassen spielen besprochen von
Nicole Engbers
am 28. November 2005
Aber bitte ohne SahneRenate Seiferts Kurzgeschichten sind keine Tortenstücke, bei denen man sich zuerst durch eine Sahnehaube kämpfen muss, um an den eigentlichen Genuss zu gelangen - nur damit sie einem dann wie Ziegelsteine im Magen liegen.
Renate Seiferts Kurzgeschichten-Sammlung ist wohl eher mit einer Pralinenschachtel zu vergleichen:
Eine edle Mischung aus einer gediegenen Konditorei.
Abwechslungsreich, doch ohne böse Überraschungen. Eine kleine Nascherei zum Kaffee. Ein bisschen Luxus für den Alltag. Ein kleines Stück Glück. Ohne dicke Schokoglasur, ohne schwere Buttercreme, ohne imposante Verzierung. Und doch: lauter kleine Kunstwerke.
Renate Seiferts Geschichten könnten gestern passiert sein, ihre Figuren gleich nebenan wohnen. Beim Bäcker gegenüber könnte über sie gemunkelt werden. Über die Frau mit den vielen Hunden, den Architekten mit dem heiklen Auftrag, den Mann, der diesem gewissen Schauspieler so ähnlich sieht, das temperamentvolle Fräulein Lotti. Es sind nur Momentaufnahmen im Leben ganz ungewöhnlich gewöhnlicher Menschen - und doch kommen sie einem vertraut vor. Die liebenswerten Macken, die alltäglichen Verrücktheiten zaubern ein Lächeln auf die Lippen. Es darf gerne noch eine zweite Praline sein. Vor allem wenn sie so bekömmlich sind.
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