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Leseprobe

Mirco Bohmeyer

 

Prolog

Jubel! Ich Mensch bin am Leben, als Frau oder Mann.

Das ist ein Wunder und Geheimnis zugleich. Ein Abenteuer, das von uns bewusst gelebt wird, von der Geburt bis zum Tod. Als Kind den eigenen Körper entdecken; später die eigenen Gefühle und die Gefühle der Zweisamkeit, das sind Abenteuer des Menschseins. Auch wie sich der eigene Verstand mit den Jahren bis in das Erwachsensein stets verfeinert und vervollkommnet, ist im Grunde ein Abenteuer, das uns immer wieder in Staunen versetzt. Die Lebensabschnitte ‚Mitte' und ‚Alter' bedeuten noch kein Ende des Abenteuers. Sie haben ihren eigenen Zauber und tragen die Chance zur Weiterentwicklung in sich.

Irgendwann stellt sich jeder Mensch einmal die Frage nach dem Sinn des Lebens. Viele sogenannte ‚Experten' haben in verschiedenen Zeitaltern unseres Heimatplaneten mit unterschiedlichen Gedankenmodellen über dieses Thema nachgedacht.
Ich frage mich, inwieweit Menschen wirklich dazu bereit sind, ihren Alltag mit ihren Wünschen, Träumen und Zielen in Einklang zu bringen. Beginnt nicht aller Anfang mit der Arbeit an uns selbst?

Warum ist die Welt so wie sie ist?
Wie können wir die Welt zum Guten verändern?

Wir sollten ernstlich darangehen, die Systeme des menschlichen Zusammenlebens in einer grundlegenden Untersuchung unter die Lupe nehmen. Dazu gehört nicht zuletzt auch die Frage, warum ein Stück bedrucktes Papier Menschen in die Raffgier und zu hässlichem Machtgehabe treiben kann.

Ein mit Lebensfreude und Respekt erfüllter Umgang der Menschen untereinander beginnt in der Selbstbejahung der eigenen Menschlichkeit mit warmherzigen Gefühlen. Aus dieser guten Stimmung - jenseits alles Messbaren - kann die Zusammenarbeit von Herz und Verstand jedes Einzelnen in eine im Einklang mit der Natur lebende Menschengemeinschaft einfließen. Natürlich sind wir Menschen keine vollkommenen Wesen, aber wir können lernen, das Böse in uns fruchtbar für uns arbeiten zu lassen. Das Paradies liegt in unserem Herzen. Wir müssen es nur noch - zuerst im Kleinen dann im Großen - in die Wirklichkeit umsetzen. Jedes Lebewesen ist hierzu ganz herzlich eingeladen.



Besondere Momente
Ein Ordnungsschema

Dieses Buch will helfen, besondere Momente zu erkennen, sie in ihrer Besonderheit zu würdigen und den rechten Umgang mit ihnen zu finden.

Man kann es von Anfang bis zum Schluss durchlesen, man kann es irgendwo aufschlagen und sich in das jeweilige Thema vertiefen, man kann aber auch ganz bewusst nach einem zur jeweiligen Lebenssituation passenden Text suchen.

Besondere Momente sind schwer in bestimmte Kategorien zu pressen, doch mit dem hier vorangestellten Orientierungsschema wird es Suchenden gelingen, zu finden.

          • Selbsterforschung des Menschen
          • Mensch unter anderen Menschen
          • Charakterisierung von Menschen
          • Mensch in Politik und Gesellschaft
          • Ruhe in Umwelt und Natur
          • Lebenserfahrungen, Einsicht und Erkenntnis


Selbsterforschung des Menschen

Wir sind Forscher und neugierige Wesen. Erfindungen, technischer, wissenschaftlicher und medizinischer Fortschritt für die uns nützliche Gestaltung unserer Umwelt haben die jüngere Menschengeschichte stark geprägt. Doch haben wir uns bei all dem Fortschritt selbst sträflich vernachlässigt, nämlich in der Arbeit am eigenen Selbst, der Innenwelt.

Welcher Mensch kann von sich behaupten, er sei der Herr über seine eigenen Gedanken und Gefühle? Erforschen wir uns doch einmal selbst. In Seele, Geist, Herz und Verstand gibt es noch viel zu entdecken...

Ist Einsamkeit unerträglich?

Fühlt ein Mensch sich allein, vielleicht aus Langeweile, oder weil er im Moment keinen aufbauenden Kontakt zu einem ihm bekannten Mitmenschen aufbauen kann, erlebt er dabei häufig als Mensch ein unangenehmes Gefühl. Die gewohnte innere Gewissheit, dass ihm immer Freunde zu Seite stehen, gerät ins Wanken. Es besteht die Gefahr, selbst in ein "schwarzes Loch" hineingezogen zu werden.
Die Abwesenheit von Freude, verbunden mit Selbstwertverlust, Niedergeschlagenheit und der immer weiter in den Abgrund ziehenden Spirale der Grübelei und Gefühllosigkeit, die im schlimmsten Fall mit Gewalt, Suchtmittelkonsum und Freitod enden kann, beginnt - wie alles andere - in uns selbst. Es ist ein Seelenzustand, in dem sich das Negative infolge des Zurückweichens von guten Gemütszuständen ausbreiten kann. Das Fernbleiben anderer Menschen, das Alleinsein, muss nicht zwangsläufig mit dem Gefühl der Einsamkeit verbunden sein, wenn unser Herz rein ist und von Freude und guten Gefühlen erfüllt ist.

Sollte also ein von Menschlichkeit und guten Taten erfülltes Leben eine Möglichkeit sein, dieser Einsamkeit vorzubeugen?

Ich denke schon.



Himmelhochjauchzend und zur Tode betrübt

Einigen Menschen ist es durch Veranlagung oder Krankheit gegeben, dass sie ihre Gefühle über einen längeren Zeitraum in den Extremformen ‚gut' und ‚böse' erleben. Wo eine durchschnittliche Gefühlswallung normalerweise schon nach Stunden vorbei ist, trägt ein Gefühlsextremist diese manchmal für Wochen mit sich herum. Ob das durch erbliche Anlagen oder durch traumatische Erfahrungen ausgelöst wird, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Die Frage, wie z. B. manisch-depressive Menschen mit ihrem Leben umgehen, beleuchtet dieser Gedanke:

Unsere Gefühle sind ein Teil von dem, was das Menschsein ausmacht und stehen gleichgeordnet neben dem Verstand. Ob nun als kurze heftige Spitzen des Affekts, als kurzfristige emotionale Einfärbung eines Ereignisses, oder als mittelfristig tragender Gefühlsteppich - auch Stimmung genannt - stets sind Gefühle Begleiter unseres Lebens. Gefühle können, insbesondere bei empfindsamen Menschen, im Guten wie im Schlechten eine sich ins Unendliche steigernde Wahrnehmungsstärke einnehmen. Eine erschaffend nutzende Möglichkeit damit umzugehen, bietet im künstlerischen Bereich das manifeste Ausleben einer seelischen Niedergeschlagenheit in Musik oder Malerei. Das Gegenteil wäre eine durch Grübelei verursachte Zerlegung des eigenen Selbstbewusstseins, die sogar im Selbstmord enden kann.

Wie sollten wir Menschen mit unseren Gefühlen umgehen? Natürlich indem wir das Negative ins Positive wandeln und zum Nutzen unser Mitmenschen einsetzen, und mit ein bisschen Übung und Arbeit an uns selbst kann uns dies sogar gelingen.

 

Der unsichtbare Schutzmantel

Viele Dinge im eigenen Lebenslauf lassen sich für sich selbst nicht erklären. Manchmal gelingt es erst Jahre nach einem entscheidenden Ereignis, dies innerlich für sich angemessen zu werten. Das Hinstreben und Arbeiten für ein selbst gesetztes Ziel kann soviel Kräfte einfordern, dass sich der Blick verengt. Wenn später weniger Einsatzkraft notwendig ist, blickt der Mensch staunend zurück, was er in der Zeit so alles vollbracht hat. In der Gegenwart sollte er sich aber wieder neuen Herausforderungen stellen. Ein Gedanke:

Einem Menschen wird auf unerklärliche Weise Unheil vom Leib gehalten. So ging es mir über Jahre. Der Preis, den ich dafür zahlen musste, war harte Arbeit auf ein von Herzen gesetztes Ziel hin und die Überwindung so mancher Hürden und Hindernisse. Dann habe ich es geschafft, mein Ziel zu erreichen. Aber unter dem Schutzmantel sind eigene Enthaltsamkeit und Zurückgezogenheit verborgen. Heute, nachdem ich mehr an Selbstbewusstsein gewonnen habe, wenn auch nur eingeschränkt belastbar, ist der Schutzmantel nicht mehr ganz so stark und mehr eigene Kraft muss nun eingesetzt werden.


Die eigene Welt im Kopf

Manchmal fragt sich der Mensch aus einem Erlebnis heraus, was wohl seine Mitmenschen in diesem Moment fühlen und denken.

Die Tatsache, dass jeder Mensch seine eigene Welt in sich trägt, sein eigenes Universum,
ist bedeutend. Jeder baut sich im Laufe seines Lebens sein eigenes Haus in Vorstellung, Gedanken, Gefühlen und Lebenseinstellungen auf. Dieses Haus steht auf einem festen Fundament aus gelebten Erfahrungen. Einzelne Räume sind aber durchaus renovierungsfähig und Anbauten mit neuer Ausrichtung sind ebenfalls möglich.

Da rennen nun fast sieben Milliarden Menschen über diesen Erdball und jeder trägt einen eigenen Weltball in sich. Das ist doch faszinierend.

Kommunikation

Der Verzicht auf Austauschmöglichkeiten kann zur eignen Selbstfindung beitragen.

Wesen werde dir über dich selbst klar! Welche Wünsche und Bedürfnisse stecken in dir? Welche grundsätzlichen persönlichen Eigenschaften, welche Stärken und Schwächen? Wie wird dein Alltag von deinem gegenwärtigen Gedächtnis durch Gefühlseinfärbung geprägt und deine Spontaneität beeinflusst?
Inwieweit ist der Mensch auf symmetrische und asymmetrische Beziehungen zu seinen Mitmenschen angewiesen?

Viele Fragen, die zeigen, wie schwer es ist, sich selbst zu erforschen. Fragen wir uns, welche Verbindungsstränge wir in einer zivilisierten Welt zumindest vorübergehend unterbrechen sollten, um zur eigenen Kernpersönlichkeit vorzudringen. Die immer vielfältiger daherkommenden Medien (Fernsehen, Zeitung, Radio, Computer...) einerseits, aber auch die Kommunikationsnetzwerke (Telefon, Mobiltelefon, E-Mail) gehören sicherlich dazu, weil sich der Mensch so sehr darin einbinden lassen kann, dass er sich selbst nicht mehr wahrnimmt. Eine Möglichkeit, dem zu entrinnen, liegt zum Beispiel darin, allein, oder mit Freunden, in die Wildnis hinauszugehen um sich dort selbst zu finden.

 

Handlungsbereitschaft

Weiße Seiten, keine Einfälle, Ideenlosigkeit oder nur eine Wartestellung, das kennen wir alle. Wenn der Mensch sich selbst besser kennenlernt, wird er wissen, dass eine neue Idee schon bald mit neuer Kraft etwas Neues entstehen lässt. Ein Gedanke dazu:

Wie kann es sein, dass es Augenblicke im Leben eines Menschen gibt, in denen aus der Stille eines Alltags keine fruchtbare Handlung hervorgeht. Wie kann es sein, dass der Mensch alles tut, um diese Langeweile und Zeitlosigkeit weiter aufrecht zu erhalten? Die Wende:

Aus sich selbst aktivierender Stellung, vielleicht durch einen Anfangsstoß in Gang gesetzt, sprudeln ständig neue Handlungsideen hervor die so zahlreich sind, dass nur wenige in die Wirklichkeit umgesetzt werden können. Ein Aktivitätsgefühl wird im Allgemeinen als angenehm empfunden. Kann sich ein Mensch selbst in Handlungsbereitschaft versetzen, indem er aus dem Bett aufsteht und sich selbst wäscht und pflegt, um dann alltagstauglich seine Bleibe zu verlassen? Oder sind die externen Existenzsicherungsgründe die eigentliche Triebfeder des täglichen Gebrauchs der Hände und der Sprache?

 



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