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Hermann Fritz Block
Wir pflanzen eine Laube
Leseprobe
Vorwort
Die Zeit ist reif für eine neue Idee.Eine Idee, so alt wie die Menschheit, aber doch taufrisch. Eine Idee, die völlig in Vergessenheit geraten war, und nun wieder auf wachsendes Interesse stößt. Seit einiger Zeit regt sich etwas. Aus irgendeinem Grund ist man weltweit auf diese Idee aufmerksam geworden. Vor allem in Europa, Amerika, Israel und Australien findet der Arborskulpteur schnell wachsende Betätigungsfelder.
Zur Weltausstellung 2005 in Tokio, die unter dem Motto stand:
Von der Weisheit der Natur lernen' ist ein Baumhaus entstanden, wurden lebendige Gehölzskulpturen und gewachsene Gebrauchsmöbel ausgestellt und Bilder von Naturbauten außerhalb des Expo-Geländes gezeigt.
Die Fähigkeit von Pflanzen, sich untereinander zu verbinden, zu verwachsen und dabei eine unzertrennliche Einheit einzugehen, nennt Wiechula in seinem 1919 erschienenen Buch: "Wachsende Häuser, aus lebenden Pflanzen entstehend", die Verwachsungskraft' der Gehölze. Diese Verwachsungskraft' lässt Bauwerke von ungewöhnlicher Stabilität entstehen. Bauwerke die jedem Sturm, jedem Erdbeben und jeder Feuersbrunst standhalten. Es ist eine Bauweise mit positiver Energiebilanz. Die effektivste Art, die Sonnenenergie direkt nutzbar zu machen. Es wird gebaut, ohne die Umwelt durch Energieverbrauch zu belasten. Ganz im Gegenteil, die Gehölze erzeugen Energieträger in Form von Holz, sie erzeugen Sauerstoff, statt ihn zu verbrauchen, bilden Humus und sind Lebensraum für eine ganze Reihe von Tieren.
Was man dazu braucht, ist vor allem viel Geduld, ein Stückchen Erde unter dem Himmel, einen festen Willen, Mut, Phantasie und eine klare Vorstellung davon, was machbar ist. Richtige Wohnhäuser aus lebenden Gehölzen, wie sie Wiechula - wenn auch unter Vorbehalt - beschreibt, sind in unseren Breitengraden wohl nicht möglich. Schattige Lauben für Gärten, Park- und Freizeitanlagen aber allemal.
Unser Vorteil ist, dass viele Gehölzarten schnell Stammholz bilden, was es ermöglicht, innerhalb weniger Jahre stabile Lauben heranwachsen zu lassen, die als Ferien- oder Sommerhäuser genutzt werden können. Noch schneller und einfacher lassen sich einfache Unterstellplätze für Pferd, Wagen oder Vieh recht kostengünstig herstellen. Für das Landschaftsbild ist ein solches Bauwerk' sicherlich erfreulicher, als ein Bretterverschlag - und eine Baugenehmigung ist normalerweise auch nicht erforderlich. Skeptiker werden für solche Pläne nur ein geringschätziges Lächeln übrig haben. Das ändert sich aber, wenn das Werk erst einmal begonnen und in wenigen Jahren zu einem imposanten Gebäude herangewachsen ist.
Auf den folgenden Seiten möchte ich Ihnen die Grund-lage dieser Bauweise erklären und eine leicht nachvollziehbare Anleitung zum Selbermachen geben. Zwei anschauliche Beispiele für die Möglichkeiten der Arborskulptur sind von mir im Frühjahr 2002 im öffentlich zugänglichen Bereich des Kreislehrgartens in Bad Grönenbach angelegt worden. Verwendet habe ich dazu eine großkronige und eine kleinkronige Gehölzart. Eine lebende Bank aus Birke ist im Frühjahr 2005 hinzugekommen. Ich hoffe, dass viele Menschen an diesen Beispielen Anregung zu eigenem Handeln finden und dadurch mithelfen, dass diese Idee noch viele hübsche Blüten treibt.
Das GrundprinzipGenutzt wird die Fähigkeit stammbildender Gehölze, mit Pflanzen der gleichen Gehölzart zu verwachsen. Ähnlich wie bei Veredelungen verwachsen Gehölzteile miteinander, sobald das direkt unter der Rinde und dem Bast befindliche Zellbildungsgewebe, das "Kambium", das auch für den Transport der im Blatt gebildeten Baustoffe zuständig ist, mit dem Kambium eines anderen Gehölzteiles der gleichen Pflanzenart in Berührung kommt. Ohne dass der Gärtner anzuschneiden, zu verpfropfen oder anders einzugreifen braucht, wachsen Gehölze gleicher Art zusammen, wenn sie lange genug unverrückbar aneinander gezwungen sind. Einige Gehölzarten, wie die Hainbuche und die Rotbuche, verwachsen relativ schnell und leicht. Andere, wie der Bergahorn zum Beispiel, lassen sich dazu viel Zeit. Je grober, dicker und rauer die Rinde, umso schwerer kommen die nährstoffführenden und zellbildenden Gewebeteile in Kontakt, und umso länger bleiben die Gehölzteile von einander getrennt.
Das frühzeitige Verwachsen ist allerdings bei der Errichtung von größeren Wand- und Dachteilen, wie wir sie bei Lauben anstreben, gar nicht erforderlich - bei der Erstellung von Bänken und Stühlen hingegen, und bei allen anderen kleingliedrigen Verwachsungen, bei denen möglichst ebene Flächen entstehen sollen, kommt es sehr wohl darauf an.
Nicht durch die Vielzahl der Äste und Zweige die eingeflochten werden können, wird die spätere Dichtigkeit erreicht, sondern vor allem durch den wachsenden Umfang der einzelnen Stämmlinge. Durch das Dickenwachstum werden die Maschen im Geflecht immer enger, bis sie schließlich ganz geschlossen sind und eine massive Wand entstanden ist.
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