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Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre

Einführung und Leseproben
Egon W. Kreutzer


Einführung  
Einführung speziell Band I  Leseprobe Band I
Einführung speziell Band II  Leseprobe Band II
Einführung speziell Band III  Leseprobe Band III
Einführung speziell Band IV  Leseprobe Band IV

Wolf´s wahnwitzige Wirtschaftslehre ist ein Aufklärungsbuch.

In insgesamt vier Bänden ist dargestellt, was Unternehmer und Unternehmen im Innersten bewegt, welche Wirkungen und Effekte das Wirtschaften von Individuen und einzelnen Unternehmen im größeren Zusammenhang der Volks- und Weltwirtschaft erzeugt, welche Rolle dabei das unverzichtbare "Schmiermittel" Geld spielt und warum es erforderlich ist, zwischen friedlichem und aggressivem Eigentum zu unterscheiden.

Band I

Fernab von der knochentrockenen Weisheit der klassischen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre zeigt der Autor im ersten Band die wahren Ursachen für Erfolg und Niedergang von Unternehmen auf. Wolf´s wahnwitzige Wirtschaftslehre bringt Licht in die Prinzipien und Spielregeln nach denen sich das wirtschaftliche Leben organisiert. Prinzipien und Spielregeln, die im Bewusstsein der Menschen heute ebenso nebulös und tabuisiert erscheinen, wie die Sexualität vor Oswald Kolle.

Dem Leser wird diese Auseinandersetzung durch die pointierte Treffgenauigkeit einer Sprache, die sich weit von herkömmlicher, trockener Wirtschaftsliteratur entfernt hat, leicht gemacht. Alle notwendige Theorie kommt in Gestalt lebendiger Beispiele daher und ist verstanden, bevor sie zur abstrakten Aussage gerinnt.

Während diese Erkenntnisse durchaus noch als Fachwissen, Handlungsanweisung oder Entscheidungshilfe verstanden werden können, findet doch gleichzeitig - von der ersten Seite an - auch die kritische Auseinandersetzung mit diesen Regeln statt.

Wolf´s wahnwitzige Wirtschaftslehre zeigt, wie heute "um des Wachstums willen" gewirtschaftet, verschwendet und zerstört wird und enttarnt den individuellen Egoismus aller Teilnehmer am Wirtschaftsleben als die Triebfeder dieser Prozesse.

Es bleibt aber nicht bei der Kritik. Der Autor zeigt auch auf, wie durch geringfügige Veränderungen der Zielrichtung dieser individuellen Egoismen eine neue, bessere Qualität des Wirtschaftens gefunden werden kann und wie auch die "Endverbraucher" zu dieser notwendigen Umorientierung beitragen können.

Einführung
Einführung speziell Band I  Leseprobe Band I
Einführung speziell Band II  Leseprobe Band II
Einführung speziell Band III  Leseprobe Band III
Einführung speziell Band IV  Leseprobe Band IV


Band II

Während der erste Band primär betriebswirtschaftliche Zusammenhänge betrachtet, widmet sich der Autor im zweiten Band den globalen Formen des Wirtschaftens in unserer Zeit.

Nahezu uneingeschränkte globale Kommunikationsmöglichkeiten, schnelle, zuverlässig verfügbare Verkehrsmittel und eine stetig zunehmende Bevölkerungsdichte haben nicht nur alle Maßstäbe verschoben, sondern auch völlig neue Möglichkeiten eröffnet.

Aber die neue, ganzheitliche Weltsicht hat mit der Erkenntnis globaler Wirkungsmechanismen und Regelkreise nicht nur zur Bildung international agierender Umweltschutzgruppen geführt. Die Mahnungen des Club of Rome sind längst verhallt, die Aktivisten von Greenpeace finden vor dem Hintergrund von Terror und Terrorbekämpfung kaum noch Beachtung. Um so schwerer wiegt die stetige Intensivierung globaler Handelsbeziehungen, die immer offensichtlichere Ungerechtigkeiten erzeugt. Fernab von jeder wirklichen Kontrolle wachsen die Profite der internationalen Konzerne auf Kosten der Natur und auf Kosten von hunderten von Millionen hungernder Menschen immer weiter in schwindelnde Höhen.

Die ökonomische Gestaltung der Globalisierung darf nicht länger dem Gutdünken der so genannten "Global Player" ausgeliefert bleiben, deren "spielerischer" Umgang mit Menschen und Ressourcen von grenzenloser Arroganz und Ignoranz geprägt ist.

Die Zukunft gestalten heißt heute: Globale Konzepte gestalten!

Die Spielregeln, die in einer Welt von gegeneinander abgegrenzten Staaten mehr schlecht als recht funktionierten, sind in einer Welt schrankenloser globaler Beziehungen absolut untauglich geworden. Der notwendigen Deregulierung und dem unkontrollierten Wildwuchs im Handel und in der Finanzspekulation müssen endlich neue Regeln folgen, die die globale Wirtschaft als "globale Binnenwirtschaft" verstehen und den global agierenden Unternehmer deshalb auch in eine globale Verantwortung nehmen, so dass Umweltverschmutzung, Verschwendung knapper Ressourcen, Steuerverweigerung und ausbeuterische Arbeitsverhältnisse an jedem Ort der Welt gleichermaßen verurteilt werden.

Der Autor stellt im zweiten Band als Gegenentwurf zur aktuellen Fehlentwicklung das visionäre Bild einer globalen Gesellschaftsordnung, deren Wirtschaftsphilosophie den engagierten und gewinnorientierten Unternehmer fördert, solange und soweit sein Handeln im Einklang mit dem Wertesystem dieser globalen Gesellschaft steht.
Um diesen Entwurf zu begründen, führt er den Leser durch ein aufschlussreiches Panorama der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Er befasst sich dabei eingehend mit dem Phänomen der Arbeitslosigkeit und stellt die Frage, warum so viele wichtige Aufgaben nicht erledigt werden können, obwohl die benötigten Arbeitskräfte durchaus bereit und verfügbar wären. Ebenso wird das Problem der Überbevölkerung untersucht und unter kritischer Analyse der realen Bevölkerungsstatistiken darauf hingewiesen, wie sich die Weltbevölkerung tatsächlich verteilt und wie die wahren Zusammenhänge zwischen Wohlstand und Bevölkerungsdichte aussehen.
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Breiten Raum nimmt auch die Frage ein, welche Bedeutung die sozialen Sicherungssysteme für den gesellschaftlichen Wohlstand und den sozialen Frieden haben, wie sie sinnvoller gestaltet werden könnten und warum die untauglichen Reparaturversuche der Politiker, die letztlich auf eine Demontage dieser Systeme hinauslaufen, nur als kalte "Enteignung" der Menschen, die diesen Systemen vertrauen, verstanden werden können.


In der Vertiefung der Analyse fragt der Autor, warum die allgemein akzeptierten gesellschaftlichen Zielsetzungen unserer Zeit, wie "der Sieg über den Hunger", die Herstellung von tatsächlicher "Chancengleichheit" und viele mehr, bis hin zur Verheißung des "Wohlstands für Alle" bisher nicht erreicht werden konnten.

Er weist nach, daß ein ungezügelter Kapitalismus, wie er insbesondere von den Neoliberalen Wirtschaftswissenschaftlern in der Nachfolge von Milton Friedmann vertreten wird, diese Verheißungen nur als Mittel zum Zweck ansieht, als nützliche Versprechen für die Motivation der Arbeitskräfte, daß der Kapitalismus aber niemals in der Lage sein kann, auch nur eine diese Zielvorstellungen zu verwirklichen.

Vor dem Hintergrund dieser ernüchternden Überlegungen wächst Schritt für Schritt ein die Vorstellung von einem "Credo der Vernunft", das mit der Forderung nach einem zeitgemäßen, rational begründeten Wertesystem beginnt und darauf aufbauend ein zielführendes Anreizsystem ebenso skizziert, wie die notwendigen Veränderungen im gesamtgesellschaftlichen Konsens, die erreicht werden könnten, ohne dass dazu der ominöse "Bessere Mensch" bemüht werden müsste. Der Autor geht in seinen Lösungsansätzen ganz realistisch davon aus, dass ein Wirtschaftssystem nur dann funktionieren kann, wenn es die Triebkräfte menschlichen Handelns versteht, akzeptiert und befriedigt. Er zeigt auf, dass es dabei nötig ist, dem individuellen Egoismus neue, immer auch dem allgemeinen Wohl nützliche, Zielsetzungen und Befriedigungen anzubieten, und er zeigt, wie das funktionieren kann.

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Band III

Wirtschaft kann allerdings erst dann vollständig verstanden werden, wenn das Geld verstanden ist. Der dritte Band behandelt diese Thematik in der gebotenen Ausführlichkeit.

Wir gehen täglich in größter Selbstverständlichkeit mit Geld um und verschwenden keinen Gedanken daran, was Geld eigentlich ist, wie es entsteht und wie es wieder verschwindet.

Wir haben Geld und geben es aus - für Essen und Trinken, für Telefon und Benzin, für Kleidung, Möbel, Autos und Häuser. Wir verdienen Geld durch Arbeit. Wir leihen uns Geld und zahlen unsere Schulden nebst Zinsen zurück. Wir legen Geld an, spekulieren und werden reich - oder arm. Aber die meisten Menschen wissen über das Geld gerade einmal soviel, dass es ihnen gelingt, im alltäglichen Gebrauch ohne größere Havarie mit dem eigenen Geld über die Runden zu kommen.

Viele glauben, Geld ist einfach da - wenn es nicht in der Ladenkasse, im Geldbeutel oder unter dem Kopfkissen deponiert ist, liegt es im Tresor der Bank. Dort bleibt es liegen, bis es vom Kontoinhaber wieder abgehoben wird oder bis es die Bank verleiht. Geld vermehrt sich durch Zinsen. Der Kontoauszug informiert darüber, ob der Geldautomat vor dem nächsten Ersten noch ein paar Scheine ausspucken wird, oder ob die Gefahr besteht, dass die Karte einbehalten wird.

Trotz jahrzehntelanger Gewöhnung an das Girokonto und trotz des umfassenden Systems des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wird immer noch angenommen, die Kontoführung der Banken gäbe Auskunft darüber, wie sich der in ihren Tresoren verwahrte Berg von Münzen und Scheinen, die der Staat zur Geldversorgung der Wirtschaft herstellen ließ, aktuell auf die einzelnen Kontoinhaber verteilt. Dabei ist es de facto so, dass der allergrößte Teil des modernen Geldes keinerlei körperliche, materielle Existenz hat und völlig unabhängig von Banknoten und Münzen, ausschließlich als nackte Information existiert.

Der Erkenntnisprozess beginnt mit der Unterscheidung zwischen "Tauschen" und "Bezahlen", die offenbar werden lässt, dass Geld im Grunde nichts anderes ist, als der Nachweis dafür, dass zu einer erbrachten Leistung die Gegenleistung noch fehlt. Von dieser Erkenntnis, bis zu der Frage wie aus individuellen "Schulden" ein allgemeingültiges Zahlungsmittel entstehen kann, ist es kein weiter Weg, doch wird dabei klar, dass Geld eben nicht einfach da ist, sondern - bei Bedarf - geschaffen wird.

Geld entsteht - aus dem Nichts - durch Kredit. Nicht durch jeden Kredit, aber durch diejenigen Kredite, die von den Geschäftsbanken vergeben werden. Geld löst sich aber auch wieder auf, wenn der Kredit getilgt wird. Eigentlich ein perfektes System. Problematisch sind nur die Zinsen. Um Zinsen bezahlen zu können, muss Geld beschafft werden, das mit dem ursprünglichen Kredit nicht geschaffen wurde. Das erfordert - über alle Interaktionen auf den Märkten hinweg - an irgendeiner Stelle die Schöpfung zusätzlichen Geldes, wiederum durch Kredit.

Volkswirtschaftler verharmlosen dieses Problem, indem sie mit Begriffen wie "Natürlicher Zins" und "Notenbankgeld" den Eindruck erwecken, das exponentielle Wachstum von Schulden und Guthaben sei naturgesetzlich vorgegeben und stehe außerhalb menschlicher Eingriffsmöglichkeiten.

Ihre Vorschläge zur Problemlösung sind untauglich. Der Versuch, die Staatskassen durch Ausgabenbeschränkung und forcierte Tilgung zu sanieren, muss misslingen, weil das dafür erforderliche Geld überhaupt nicht existiert. Der im Bereich der sozialen Sicherung propagierte Wechsel von staatlich organisierten Umlagesystemen zu privatwirtschaftlich organisierten, kapitalgedeckten Systemen verschärft die Situation zusätzlich und bringt für die Bevölkerung, auch für die zukünftigen Generationen, nur Nachteile. Alle Anreize, die gesetzt werden, um zusätzliches, reales Wachstum zu erzeugen, müssen letztlich wirkungslos verpuffen weil es nicht gelingen kann, mit dem völlig irrealen Wachstum der Zinsforderungen Schritt zu halten. Auch die fortschreitende Privatisierung ehemals staatlicher Aufgaben und staatlichen Eigentums bringt immer nur für den Augenblick eine Entlastung der Staatskasse, danach überwiegen die Nachteile.

Alle zur Begründung dieser Rezepte und Maßnahmen aufgestellten Behauptungen und Argumente sind vollkommen falsch und verhindern Erkenntnisse darüber, auf welche Weise und in welchem Umfang das Geld selbst als Wohlstandspumpe wirkt, welche die Arbeitsleistung weiter Teile der Bevölkerung aufsaugt und wenigen Reichen als puren Luxus und Überfluss ganz von alleine vor die Füße spült.

Könnte die Vermögenssteuer für ein "Mehr" an Gerechtigkeit sorgen? Sind "Regionale Komplementärwährungen" und die von den Freiwirtschaftlern geforderte Umlaufsicherung des Geldes die richtigen Instrumente, um "Geldfehler" zu reparieren?
Welchen Wert hat die Stabilität der Währung, was bedeuten Inflation und Deflation für Wirtschaft und Konsumenten, wie können sie erzeugt, wie verhindert werden?

Mit allen diesen Fragestellungen setzt sich das Buch auseinander, bevor es der komplexen Problematik den Lösungsvorschlag des Autors verständlich und nachvollziehbar gegenüberstellt. Ein Lösungsvorschlag, der die Sanierung des bestehenden monetären Systems ohne "Währungsreform", ohne "Abwertung" oder "Enteignungen" ermöglicht.

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Band IV

setzt den Schlussstein in einen weiten Gedankenbogen mit dem Modell eines "idealen" Eigentumsrechts.

Aus dem Grundsatz:

Jedem Menschen steht ein Recht auf angemessene Teilhabe an den Ressourcen des Planeten zu,

entwickelt der Autor in Band IV die Unterscheidung zwischen "friedlichem" und "aggressivem" Eigentum und zeigt auf, welche realistischen Möglichkeiten bestehen, um die Macht des aggressiven Eigentums zu brechen. Das sind:

Einen recht ausführlichen Aufsatz zur "Grund"-Idee und ihren Hintergründen finden Sie hier: http://www.egon-w-kreutzer.de/Geld/Grundlagen16.html

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Leseprobe

Egon W. Kreutzer
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band I

Kapitel 10 Der Wirtschaftskreislauf

Wie alles im Universum kann auch das Wirtschaften als Kreislauf oder als Welle angesehen werden, wobei mir persönlich der Begriff Kreislauf griffiger erscheint.

Wir werden uns in diesem etwas längeren Kapitel relativ ernsthaft damit beschäftigen, woher die Wirtschaftgüter kommen und wo sie letztlich landen, wer welchen Nutzen daraus zieht und wer dafür aufkommt.

Beginnen wir mit den langlebigen Wirtschaftsgütern. Gleich hinter Kairo gibt es eine Immobilie, an der sich die Menschheit schon seit Jahrtausenden erfreut. Obwohl nicht mehr ganz glänzend an der Fassade, ist diese Ansammlung alter Steine nach wie vor eine Ertragsquelle für den ägyptischen Staat und für die Tourismusindustrie mit allen Nebengewerben bis hin zur Zunft der Taschendiebe. Bezahlt haben dafür die Pharaonen mit Mitteln, die sie durch die Besteuerung ihrer Untertanen, gewonnene Kriege, Sklavenhandel und Sklavenarbeit gewonnen hatten. Die Investition in dieses äußerst langlebige, immobile Wirtschaftsgut war anfangs gar nicht auf irdische Rendite ausgerichtet, aber heute boomt das Geschäft rings um diese steingewordene Idee einer längst vergangenen Religion wie nie. Überhaupt üben alte Gemäuer in Zeiten allgemeinen Wohlstands eine gewisse magnetische Anziehungskraft auf Moneten aus aller Herren Taschen aus; nehmen wir noch die Chinesische Mauer und den Kölner Dom hinzu, wir finden überall ein vergleichbares Bild.

Noch langlebiger ist eigentlich nur der Planet selbst, von dem wir einen großen Teil seiner Oberfläche, ein paar tiefere Löcher, Höhlen und Stollen und Teile der Atmosphäre inzwischen in feste Eigentumsverhältnisse gezwängt haben.
Dieser (noch) nicht vermehrbare Lebensraum hat, einschließlich uns Menschen, alles hervorgebracht, was wir zum Leben und zum Wirtschaften brauchen und gebrauchen. Außerdem bietet er uns den Platz, der es uns überhaupt erst erlaubt, als räumliches Wesen zu existieren, und ist daher von eminent wichtiger Bedeutung. Spielen Sie ein paar Runden "Siedler von Katan", und Sie wissen, worauf es ankommt.

Nun wäre der Planet von sich aus nie auf die Idee gekommen, Pyramiden zu errichten. Ein Stückchen Geist, Genius, Genialität gehört auch dazu. Fragen wir nicht danach, woher er gekommen ist; nehmen wir einfach pragmatisch zur Kenntnis, dass er da ist, und dass jeder einzelne von uns auch einen (oder etwas vom) Geist hat.

Aus der vorhandenen Materie und dem Geist wurden und werden Dinge geschaffen, die Begehrlichkeiten wecken. Als die Menschheit feststellte, dass der Raub (meist mit dem Einsatz kriegerischer Mittel verbunden) nicht für alle Wunscherfüllungen das geeignete Mittel ist, hat man begonnen zu tauschen.

Ich weiß, ich weiß, das ist Ihnen alles bekannt, aber ich kann Ihnen leider nicht ersparen, diesen Gedanken jetzt klar im Kopf zu haben, sonst könnten Sie möglicherweise an den folgenden Ausführungen scheitern.

Vor Beginn des Tauschhandels holte sich jeder alles Lebensnotwendige aus der Natur und bearbeitete es - soweit erforderlich - nach seinen Fähigkeiten selbst weiter. Es war für jeden, der stark und schnell und "pfiffig" genug war, der Platz da, um sich ein Revier abzustecken. Es war eine glückliche Zeit, ohne Ärger mit Vermietern, Chefs, Verkäufern, ohne Sorge um das richtige Outfit für die Party, ohne Angst vorm Krebsrisiko beim Rauchen, so richtig einfach und überschaubar. Leider war die Lebenserwartung relativ niedrig, dafür aber die Reproduktionsrate lustvoll hoch.

Vielleicht war das das Paradies.
Mit dem Tauschhandel kam ein Sack voller Probleme in die Welt. Nicht nur das vordergründige Problem, dass die Fischer an der Küste untereinander immer nur Fische tauschen konnten (was irgendwie auf Dauer nicht besonders befriedigend gewesen sein mag); nicht nur, dass der Mensch, der ein Bronzeschwert brauchte, aber nur Baumstämme anbieten konnte, damit den Schmied nicht beeindruckte, solange er die Baumstämme nicht auf dem Umweg über lebende Schweine, über einige Sack Getreide und wer weiß was noch (siehe auch "Hans im Glück") endlich in den Stoff umgewandelt hatte (feinste böhmische Holzkohle), die der Schmied am unteren Rhein unbedingt haben wollte, um dafür ein Schwert abzuliefern - nein, das eigentliche Problem lag darin, dass plötzlich allen Dingen ein Wert zugeordnet werden wollte.

10 Baumstämme = 5 lebende Schweine = 20 Sack Gerste = 6 Zentner Holzkohle = 1 Bronzeschwert.

Denken Sie diesen Gedanken nur 2 Minuten lang weiter, und Sie wissen, woran der Tauschhandel letztlich scheitern musste.

Es gab eine Reihe von Versuchen, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Von Muscheln (leicht zu transportieren) über Baumstämme, Hinkelsteine (?) und später auch Zigaretten etablierten sich diverse Tauschwährungen, deren Schicksal in der einschlägigen Literatur nachzulesen ist.

Für uns interessant ist der Hauptast der Entwicklung von Tauschwerten, der schließlich zur Münze führte. Eine Münze war zunächst einmal nichts anderes als ein Stück Edelmetall, dessen Wert an sich allgemein anerkannt war. Durch die exakte Stückelung (Menge des Edelmetalls) und die Prägung, durch die praktisch öffentlich erklärt wurde: Das sind 5 Gramm Gold, dafür steht unsere Münzausgabe gerade, wurde ein leicht transportables Zahlungsmittel mit allgemein akzeptiertem (Tausch-) Wert geschaffen, das auch durch Einschmelzen seinen eigenen, inneren Wert nicht verlor.
Da war es ziemlich egal, dass jeder, der etwas auf sich hielt, seine eigenen Münzen herstellte, es bot sich alleine über das Gewicht eine geniale Möglichkeit internationalen Handels. (Mogeleien und Betrügereien gab es auch bei den Münzen schon immer, das ist aber nebensächlich.)
Die Schwierigkeit war, dass einzelne Münzen zwar sehr leicht und sehr unauffällig transportiert werden konnten, die Bezahlung sehr großer Beträge aber auch mit Münzen zu einem umständlichen und gefährlichen Unternehmen wurde. Wir landen damit bei den Banknoten.
Ursprünglich war die Banknote das Versprechen des Ausstellers der Note (auch heute sind noch Unterschriften drauf!), gegen die Vorlage dieses Papiers die dem Wert entsprechende Menge Goldes abzugeben.

Das hat auch eine ganze Zeit gehalten.

Heute ist die Golddeckung der Währungen weltweit abgeschafft. Die vom Staat zur Verfügung gestellten Zahlungsmittel (sowohl das Buchgeld, als auch das Bargeld) sind nur dadurch "gedeckt", das ALLE (oder zumindest die Allermeisten) daran glauben, für dieses Stück Papier Waren und Leistungen im aufgedruckten Wert erwerben zu können, weil eben auch der, der das Papier als nächster bekommt, daran glaubt, damit wieder etwas anfangen zu können.

Unser Geld hat keinen eigenen, inneren Wert. Natürlich haben die Zentralbanken hier und da ein paar Reserven, in Fremdwährungen und z.T. sogar noch in Edelmetallen, aber das würde hinten und vorne nicht ausreichen, um die im Umlauf befindliche Geldmenge abzudecken.

Wir sind heute also in der Situation, daß es neben den eigentlichen Tauschartikeln, den Waren und Leistungen, ein zusätzliches (!) Tausch- und Verrechnungsmittel gibt, von dem so viel vorhanden ist, daß alle Transaktionen damit durchgeführt werden können.

Wie ist das passiert?

Ganz einfach, alle Staaten dieser Welt haben stets mehr ausgegeben, als sie einnehmen konnten. Die Reserven (die Deckung der Währung) wurden nach und nach verkauft (!) und durch frisch gedrucktes Papier ersetzt.

Es funktioniert, solange alle daran glauben, und alle haben eine panische Angst davor, dass dieser Glaube verloren gehen könnte.

Denken Sie noch einen Schritt weiter: Sobald es aus irgendeinem Grunde kein Tauschbedürfnis mehr gäbe (z.B. weil alle Menschen auf einem eigenen Stückchen Land alles produzieren könnten, was sie zum Leben brauchen), wäre das Geld sofort und vollständig wertlos, man könnte es getrost zur "Wertstoffsammelstelle" tragen.

Jetzt wird es allerdings Zeit, zum eigentlichen Thema dieses Kapitels zurückzukehren. Es heißt, Sie erinnern sich: "Der Wirtschaftskreislauf".

Kennen gelernt haben wir bisher den Saft, der in den Adern dieses Kreislaufs bewegt wird, das Geld. Und wir wissen, wo es herkommt: der Staat stellt es zur Verfügung. Sinn und Zweck des Wirtschaftens kann es also nicht sein, Geld anzusammeln.

Genau wie ein lebender Organismus in seinem Kreislauf gelöste Nahrungsmittel und Sauerstoff transportiert, um sich am Leben zu erhalten und um zu wachsen, nicht um die Menge des Blutes zu vergrößern, dient der Wirtschaftskreislauf dazu, die Verfügungsgewalt über die so genannten Sachwerte (erinnern Sie sich an die Pyramiden) stetig auszuweiten. Das Geld ist dabei nur das unverzichtbare (Transport-) Mittel zum Zweck.

So, und jetzt sehen wir uns die Sachwerte näher an.

Was glauben Sie, was von alledem, was Ihnen heute gehört (angefangen vom Inhalt Ihres Kühl-, Schuh- und Kleiderschrankes, über Ihre Möbel, Ihre Fahrzeuge, Ihre sonstige technische Ausstattung) wird sich in 1, 5, 20, 100 Jahren noch als WERT bezeichnen lassen?

Und dann denken Sie darüber nach, was wirklich über längere Zeit einen Wert behält. Und jetzt fragen Sie sich, warum Sie immer noch keine Immobilie besitzen!

Wir kommen damit zu zwei grundsätzlichen Einstellungen der Menschen.

Typ 1 will sein Leben genießen, konsumieren und am Ende möglichst wenig
zurücklassen

Typ 2 will sein Leben nutzen, um seinen Nachfahren (seinen Genen?), auch
über sein eigenes physisches Ende hinaus, eine gute Position in dem
Konkurrenzkampf, der das Leben nun mal ist, zu verschaffen.

Typ 1 ist ein nützliches und unverzichtbares Rädchen im Wirtschaftskreislauf.

Typ 2 gehört zu den potentiellen Gewinnern im Wirtschaftskreislauf.

 

Und jetzt merken Sie sich bitte eines:

Der ganze Wirtschaftskreislauf dient nur dem einen einzigen Zweck, den Menschen vom Typ 2 möglichst viel Verfügungsgewalt über langlebige, werthaltige Sachen zu verschaffen.

Was auch immer erzeugt, erdacht, verkauft, gehandelt, getauscht, verliehen und zurückgezahlt wird, wie die einzelnen Stufen von Produktions- und Wirtschaftsprozessen beschrieben und gegeneinander abgegrenzt werden, es geht um nichts anderes als um möglichst viel Gewalt über möglichst viele werthaltige Sachen.

Lesen Sie ausnahmsweise einmal (das reicht!) ein Heft der Regenbogenpresse, und Sie stellen fest, wie der Adel das über viele Jahrhunderte verstanden hat und in weiten Teilen auch heute noch perfekt versteht.

Der Wirtschaftskreislauf beginnt mit Ideen und Arbeit, er nutzt das vom Staat zur Verfügung gestellte (wertlose) Tauschmittel Geld, um von einer Wertschöpfungsstufe zur anderen zu springen. Er nutzt die Ressourcen unseres Planeten. Er dient der Ansammlung möglichst vieler werthaltiger Sachen in den Händen weniger.

Menschen, die dieses Ziel nicht selbst verfolgen, sind nur Mittel zum Zweck, so schön und aufregend und lustvoll sie das eigene Leben auch gestalten. Es bleibt nichts, und jeder Konsum wirft einen Gewinn für einen anderen ab.

Das klingt zwar wertend, ist aber eigentlich nicht so gemeint.

Sie sollen sich nur darüber klar werden, welchen Weg Sie selbst verfolgen wollen.

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Leseprobe

Egon W. Kreutzer
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II

Die Arbeitslosigkeit,
der Ursprung der Dienstleistung

Auszüge aus einem Kapitel des ersten Abschnitts
"Bestandsaufnahme"

Mit dem Rückgang des notwendigen Aufwandes für die Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse gewannen die Menschen "freie" Zeit, die sie darauf verwandten, Bilder an Höhlenwände zu zeichnen, eine Schrift zu erfinden, Grundrechenarten zu entwickeln, Wüsten zu bewässern, Ketzer zu steinigen, Brandbomben zu erfinden und aus Flugzeugen abzuwerfen, und um Ausflüge zum Mond zu unternehmen.

Die grobe Kenntnis dieser Zusammenhänge führt bei Wirtschaftsjournalisten und Politikern zwangsläufig zu dem neuronalen Kurzschluss, dass Arbeitslosigkeit, die sich daraus ergibt, daß die Produktion der notwendigen Dinge zu wenig Arbeit beansprucht, durch mehr Dienstleistung kompensiert werden könne, solle und müsse. Dieser Gedankengang ist so einfach und frappierend wie falsch. Das zu beweisen, ist etwas schwieriger, weil dazu das geleistet werden muss, was Politiker und Journalisten scheuen wie die Beulenpest, nämlich eine halbwegs saubere Definitionsarbeit.

Die erste zu klärende Frage lautet:

"Was könnte gemeint sein, mit dem Begriff "Dienstleistung", wenn daraus zusätzliche Arbeitsplätze entstehen können sollen?"

Sind es die Versicherungen, die als Finanzdienstleister noch mehr Vertreter von Haustür zu Haustür schicken sollten? Oder sind es die Banken?
Sind es die Architekten und Planungsbüros, die noch mehr Häuser und Straßen und Kläranlagen planen könnten? Oder sind es die Hebebühnenverleiher? Sind es die Steuerberater, die Unternehmensberater, die Schreibservice-Gesellschaften und Telekommunikationskostensenkungsspezialisten? Oder sind es die Call-Center? Sind es Hotels und Gaststätten und Kinos und Theater und Museen und Freibäder und Sportpaläste und Fitnessstudios? Oder sind es die Frisöre und Fußpfleger?

Es kann nichts von alledem sein!

Versicherungen bauen in den Verwaltungen massiv Stellen ab und im Außendienst rennen sich die vielen Vertreter beim Kundenbesuch schon fast gegenseitig um. Banken bauen massiv ab, bei Architekten und Planungsbüros gibt es Überkapazitäten, Hebebühnenverleiher gibt es genug, Steuerberater und Unternehmensberater und andere unternehmensnahe Dienstleister gibt es genug, jedenfalls wird kein Mangel gemeldet.

Gaststätten klagen manchmal darüber, am Wochenende nicht genug Aushilfskellner zu finden. Ist das die Dienstleistungslücke?

Ja, so ungefähr ist die Vorstellung von den Dienstleistungen, die zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit verstärkt angeboten werden sollten. Diese Dienstleistungen können aber nicht auf eine zahlungskräftige Nachfrage abzielen, die bisher nur aus Mangel an geeigneten Arbeitskräften nicht befriedigt wurde. Die Dienstleistungen die hier gemeint sind, sind die Dienstleistungen, die in unserem Lande zu teuer sind.

Zu teuer, weil das Geld, das für die Bezahlung der Dienstleister zusätzlich ausgegeben werden müsste, eben dafür nicht zur Verfügung steht. Denken Sie doch nur daran, dass es bis vor ein paar Jahren auf den Parkplätzen der Supermärkte noch dienstleistende Menschen gab, die sich mit dem Einsammeln der Einkaufswägen ein kleines Zubrot erarbeiten konnten, dass es Menschen gab, die Leergut angenommen und die Pfandkasse geführt haben. Heute hat der Einkaufwagen das WANZL und niemand verzichtet auf seine Mark, jeder schiebt den Wagen ganz ordentlich zurück, auch wenn es regnet. Sogar wenn es sehr regnet. Das Leergut wird inzwischen überall von Automaten angenommen. Niemand verschenkt das Flaschenpfand. Niemand stellt seine Flaschen und Kisten vor dem Automaten ab, weil er keine Zeit hat. Nein, egal wie lang die Schlange auch sein mag, alle warten geduldig, bis sie ihr Leergut losgeworden sind.

Unsere Wirtschaft bietet ihren Kunden möglichst genau das Maß an Dienstleistung, das zur Gewinnoptimierung erforderlich ist.

Keinen Handgriff mehr und keinen weniger. Dies ist völlig unabhängig davon, ob gerade eine Million Arbeitslose gezählt werden oder fünf Millionen; höhere Arbeitslosenzahlen bedeuten sogar eher, dass die geringere Kaufkraft automatisch zu einem Service-Verzicht führt. Wir wissen, dass ein karg eingerichteter Laden mit wenigen, unfreundlichen Bedienungen vom sparsamen Kunden automatisch als ausgesprochen preiswert wahrgenommen wird, warum soll dieser positive Eindruck durch zusätzlichen Service zunichte gemacht werden? Sicherlich gäbe es so manche Chance, durch mehr Service auch mehr Kunden zu gewinnen, mehr Umsatz zu machen und einen besseren Ruf zu erwerben, aber es gibt damit keine Chance für mehr Gewinn, sonst wäre sie längst ergriffen. Auch hier fallen wir zurück auf die Erkenntnis, dass die notwendigen Kosten der Leistung den zusätzlichen Nutzen übersteigen. Nur wenn die Kosten für die Dienstleistung ganz niedrig angesiedelt werden können, könnten sich in Grenzbereichen auch kleine Wettbewerbsvorteile ergeben, die aber sofort wieder weg sind, wenn der Service überall geboten wird, warum also überhaupt damit anfangen?


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Sieg über den Hunger

Auszug aus einem Kapitel des zweiten Abschnitts
"Kritik"

Den Hunger in der Welt zurückdrängen, dafür Sorge tragen, dass die Zahl derer, die nicht zuverlässig Zugang zu Nahrung und Wasser haben kleiner wird, das ist das wesentliche Bemühen aller karitativen Verbände und Vereinigungen. Aber das Spendensammeln und -verteilen kann immer nur die ärgste Not in Zeiten ärgster Bedrängnis lindern helfen. Wir wissen, daß es meistens nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein ist, daß die Hilfe oft zu spät, bisweilen auch gar nicht ankommt.

Die Entwicklungshilfe hat angefangen zu begreifen, daß es den notleidenden Menschen mehr hilft, ihnen zu zeigen, wie mit einfachen Mitteln eine Wasserförderung gebaut und von einem einfachen Windrad angetrieben werden kann, als damit fortzufahren, jeden Monat feierlich ein Notstromdieselaggregat und eine elektrisch betriebene Pumpe bei einem dankbaren Dorfältesten abzuliefern. Dies auch, weil sich herausgestellt hat, dass diese Gerätschaften oft nur so lange betrieben werden konnten, bis der erste Tankinhalt des Generators verbraucht war oder bis die Pumpe zu Wartungszwecken zerlegt werden musste. Weil solcherart gutgemeinter Unfug inzwischen weitgehend vermieden und stattdessen erfolgreich auch Hilfe zur Selbsthilfe angeboten wird, kommen wir tatsächlich in kleinen Schritten vorwärts. Doch Kriege, Dürre, Heuschrecken, Ratten, Seuchen und andere Plagen sorgen dafür, dass die Notwendigkeit der Hilfeleistung nicht aufhört. Hunger bleibt der Begleiter der Menschheit. Verhungern bleibt Todesursache für täglich mehr als 20.000 Menschen.

Dabei ist viel zu wenig bekannt, dass ein Großteil der Hungertoten eben nicht den spektakulären und von den Medien beachteten, kriegs- und dürrebedingten Katastrophen zum Opfer fällt, sondern, völlig unbeachtet von der Weltöffentlichkeit, den schleichenden Tod chronischer Unterernährung stirbt.
Ursache für die dauerhafte Unterernährung, von welcher derzeit 800 Millionen Menschen betroffen sind, ist meistens gar nicht ein Mangel an Nahrungsmitteln in der Region, sondern "nur" die bittere Armut der Hungernden, die sich die vorhandenen Nahrungsmittel einfach nicht kaufen können.
Wer im Internet nach Informationen über den Hunger sucht, wird fündig und die Details, die dort ausgebreitet werden, machen depressiv. Allerdings wird, wenn man hinter den Schicksalen die Fakten sucht, doch deutlich, dass - bei allen grauenhaften Ereignissen, über die immer noch zu klagen ist - die absolute Zahl der Hungertoten weltweit langsam sinkt, was bei dem gleichzeitigen, schnellen Bevölkerungswachstum ein Grund für Zuversicht ist. Vielleicht können wir, wenn die Dinge sich so weiterentwickeln, in 10 Jahren feststellen, dass täglich nur noch 10.000 Menschen verhungern, dass die Zahl der Hungernden weltweit von 800 Millionen auf nur noch 600 Millionen gesunken ist. Aber wer wird solche Zahlen ernsthaft als Erfolg feiern wollen?

Eine oft zitierte Aussage im Zusammenhang mit den Informationen über den Hunger, sein Ausmaß und seine Ursachen ist die, dass

2 Dollar täglich

ausreichen würden, um einen Menschen satt zu machen, um ihn also nicht nur vor dem Verhungern zu bewahren, sondern ihn auch von allen Begleiterscheinungen der Unterernährung zu befreien.
800 Millionen hungernde Menschen bräuchten pro Tag also 1,6 Milliarden Dollar zum Überleben. Das ist eine gigantische Zahl. Die Zahl wird noch gewaltiger wenn wir die 584 Milliarden Dollar betrachten, die notwendig wären, um den Hunger für ein ganzes Jahr von der Welt zu verbannen und wenn wir uns dann vorstellen, dass die Menschheit wächst und die Preise steigen und die Jahre vergehen, dann kann es wohl nicht lange dauern, bis alles Vermögen dieser Welt an die Hungernden verfüttert ist und das Elend wiederkehrt.
Glücklicherweise sind die Ergebnisse dieser Hochrechnungen falsch. Die ganze Rechnung ist ein Irrtum, der uns immer wieder unterläuft, weil wir uns mit dem Wesen des Geldes zu wenig auskennen. Die ganze Rechnung ist ein Irrtum, weil wir unterstellen, dass die täglichen 2 Dollar - nach dem Tausch in Nahrung - für alle Zeiten irgendwo in einem Safe verschwinden und demzufolge für alle Zeiten verloren sind. Die ganze Rechnung ist ein Irrtum, weil der genannte Geldbetrag bestenfalls als Vergleichsgröße taugt, wenn man darüber aufklären will, wie wenig der Mensch eigentlich zum Leben braucht.

Die ganze Rechnung ist ein Irrtum, weil sie völlig ignoriert, was man wirklich braucht, um einen Menschen zu ernähren:

Um einen Menschen zu ernähren, braucht man ein bisschen Land, ein bisschen Wasser, ein bisschen Saatgut und ein bisschen Arbeit.

Auch ohne besondere technische Hilfsmittel, ohne Kunstdünger und ohne EU-Richtlinien kann es ein Mensch schaffen, soviel Land zu bewirtschaften, dass 20 Menschen davon satt werden. Damit ist er noch nicht einmal das ganze Jahr beschäftigt. Zwischen dem Einbringen der Ernte und der nächsten Aussaat hat er ein paar Monate Zeit, um Bäume zu fällen, Bretter zu schneiden und Möbel zu bauen, mit denen er ebenfalls den Bedarf von 20 Menschen befriedigen kann.

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Sieg über den Krieg

Sollte der Krieg wirklich der Vater aller Dinge sein, wäre es fatal ihn endgültig zu besiegen.

Sicherlich ist ein Teil des Fortschritts dem Krieg zuzuschreiben, und sicherlich hätte es das Wirtschaftswunder im Nachkriegsdeutschland so niemals geben können, hätte nicht ein fast unendlicher Ersatzbedarf den Wirtschaftsmotor angetrieben, doch können wir diese Wirkungen ernsthaft als Ausgleich für das Grauen und das Leid ansehen, das der Krieg über die Menschheit bringt?

Mit dem Anschlag auf das World Trade Center in New York am Morgen des 11. September 2001 hat sich nach allgemeiner Auffassung das Gesicht des Krieges grundsätzlich gewandelt. Den großen Schlachten, die von - als Freund oder Feind ausreichend gekennzeichneten - Kombattanten mit großem Kriegsgerät entlang noch erkennbarer Fronten nach den Vereinbarungen der Haager Landkriegsordnung und der Genfer Konventionen geschlagen wurden, folgt nun wohl die Zeit der terroristischen Angriffe, deren Ausgangspunkt nicht zu erkennen, und deren Feindbild seltsam unscharf und umstritten ist. Dass damit der Krieg besiegt sei, wird nicht behauptet.

Nach meinen Überlegungen gibt es für den Krieg drei grundsätzliche Ursachen, nämlich Überfluss, Mangel und Dummheit.

Gesellschaften, die im Überfluss leben, neigen dazu Kriege anzuzetteln, um sich im Kräftemessen immer wieder ihre Stärke zu beweisen. Wer es sich leisten kann, einen Krieg zu führen, wird ihn irgendwann auch führen wollen, und sei es nur, um die neuen Waffen im Einsatz zu erproben.
Wer es sich leisten kann, einen Krieg anzuzetteln, kann es sich auch leisten, sich den Gegner auszusuchen und er wird es tunlichst vermeiden, nach einem überlegenen Gegner Ausschau zu halten.
Gesellschaften, in denen Mangel herrscht, werden darauf sinnen, wie sie den Mangel beseitigen könnten. Irgendwann werden sie dann mit dem Mut der Verzweiflung in den Krieg ziehen, um den Mangel entweder durch die Aneignung fremder Güter oder durch den eigenen Tod zu beenden. Wer aus Not einen Krieg beginnt, wird zuerst den angreifen, dem er eine Mitverantwortung für die eigene Not anrechnet, auch wenn es ein großer, mächtiger und starker Feind ist, denn die Logik sagt ihm, daß die eigene Not nur dann zu Ende sein kann, wenn die Ursache der Not beseitigt ist.

Die Folgen der Kriegsursache "Dummheit" sind nicht so einfach zu beschreiben, weil die Vielfalt der Dummheit einfach nicht vorhersehbar ist. Kommt jedoch bei den Kriegsgründen "Überfluss" oder "Mangel" auch noch "Dummheit" hinzu, so führt das leicht dazu, daß der falsche Gegner angegriffen wird. Wenn z.B. zur Linderung der Not ein Eroberungskrieg gegen den ebenfalls armen Nachbarn geführt wird, dann dient diese Dummheit nur dem lachenden Dritten. Wenn aus lauter Übermut ein Krieg gegen einen überlegenen Gegner begonnen wird, ist das schnelle Ende dieser Dummheit abzusehen.
Mit einer Kampagne zur Verbreitung von Wissen und Weisheit wäre die Dummheit zwar nicht auszurotten, aber vielleicht könnte weltweit verhindert werden, dass die Dummheit eine kritische Masse überschreitet. Mit einer Kampagne zur Entwicklung des Wohlstandes auf der Welt wäre der Mangel zwar nicht auszurotten, aber vielleicht könnte weltweit verhindert werden, dass der Mangel eine kritische Masse überschreitet.


Mit einer Kampagne gegen den Überfluss tut sich die Welt seit altersher schwer. Weder die Armutsgebote von Religionen und religiösen Orden, noch die Bescheidenheit eines Diogenes, weder die besten Einsichten, noch die schreiendste Not vor der eigenen Haustür, haben jemals dazu geführt, daß Überfluss freiwillig, nachhaltig und ausreichend reduziert worden wäre. Trotzdem haben sich gerade die reichen Staaten seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erstaunlich unkriegerisch verhalten. Es gab zwar diverse Scharmützel, auch richtige Kriege, aber im Verhältnis zu den vorhandenen Möglichkeiten, in Bezug auf die nicht eingesetzte Zerstörungskraft, in Bezug auf die zurückgehaltenen Overkill-Kapazitäten, herrschte letztlich doch erstaunliche Ruhe.
Die Stimmung zwischen den großen Blöcken war gereizt, überall knisterte der Funke, der einen Weltbrand hätte auslösen können, doch er wurde mit schöner Regelmäßigkeit gelöscht, bevor es zum Schlimmsten kommen konnte. Überall auf der Welt wurden Kriege geführt, besonders viele auf dem afrikanischen Kontinent, doch der Weltbrand blieb aus. War es ausschließlich das atomare Gleichgewicht des Schreckens, diese Balance der Sprengköpfe und Interkontinentalraketen, die hohe Wahrscheinlichkeit des eigenen Unterganges, die mehr als ein halbes Jahrhundert lang den Ausbruch wirklich großer Kriege verhinderte?

Oder ist die Kampagne gegen die Dummheit doch schon weiter gediehen, als wir uns vorstellen können? Hat eine neue, strategisch denkende Intelligenz erkannt, dass Überlegenheit nicht mehr durch militärische Unterwerfung gefestigt werden braucht, wenn die wirtschaftlichen Strukturen so gelegt werden, daß die Erträge aus den Handelsunternehmungen mehr einbringen, als in Form von Kriegsbeute und Tributzahlungen jemals aufgebracht werden könnte? Ist die Globalisierung somit letztlich der Preis für die Abschaffung blutiger Kriege? Es scheint so.


Eine aufregende Perspektive!
Wenn das staatlich organisierte Morden und Brennen ausgedient hat, wenn Krieg zur Zielerreichung nicht mehr nötig ist, dann ist das für Sieger und Verlierer ein gewaltiger Fortschritt. Wer dies nicht erkennen kann, und stattdessen vorschnell ein Loblied auf den Heldentod anstimmt, der einem unwürdigen Leben in der Sklaverei noch immer vorzuziehen sei, läuft Gefahr den nächsten Krieg aus Dummheit anzuzetteln. Wer lieber schnell auf dem Feld der Ehre sein Leben hingeben will, als sich mit den veränderten Gegebenheiten zu arrangieren, zeigt nicht Weisheit, sondern nur törichte Ungeduld.
Wer die Zurückhaltung der reichen Staaten beim Einsatz ihrer Arsenale und beim Einsatz ihrer bestens trainierten Soldaten als feige Dekadenz einschätzt, begeht einen schwerwiegenden Denkfehler! Die Fähigkeit zum Krieg und die Fähigkeit zum Sieg in der kriegerischen Auseinandersetzung ist durchaus noch vorhanden. Sie wird allerdings offenbar wirklich nur noch zur Abschreckung und im Notfall zur Verteidigung eingesetzt.

Der Angriffskrieg wird heute nicht mehr von Soldaten vorgetragen, er ist zur Sache von friedlich wirkenden Kaufleuten geworden. Einkäufer und Verkäufer, die ohne eine gemeinsame, übergeordnete Strategie und ohne einen koordinierenden Kriegsherrn auftreten. Kaufleute, die untereinander uneins, zerstritten und futterneidisch sind. Einkäufer und Verkäufer, deren Einzelegoismen eine wirkungsvolle, unternehmensübergreifende Zusammenarbeit zuverlässig verhindern. Die große Chance der Weltgemeinschaft liegt darin, diese neue Form der Auseinandersetzung zu akzeptieren und an allen Fronten mit der gebotenen Härte in den Wettbewerb der Kaufleute einzutreten.


Ein schlechtes Geschäft ist ein schlechtes Geschäft. Danach kann ein gutes Geschäft kommen, oder wieder ein schlechtes. Das Leben geht weiter. Aus jedem Geschäft wächst eine Erkenntnis. Mit jedem Geschäft kommen sich die Partner etwas näher. Aus Misstrauen kann so über die Zeit Vertrauen wachsen, aus Arroganz kann Akzeptanz werden und mehr.

Im Krieg wird gestorben. Und tot bleibt tot.

Ein Narr, wer Krieg und Terrorismus dem Handel vorzieht.

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Egon W. Kreutzer
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III

 

Kapitel 2 - Wo und wie das Geld in der Realität entsteht


Wir haben bereits den Gedanken verfolgt, dass Geld ganz grundsätzlich einen Ur-Schuldner braucht, um überhaupt in die Welt zu kommen. Ist es aber erst einmal da, scheint es vollkommen unzerstörbar zu sein, sieht man davon ab, dass marktschreierische Journalisten immer wieder gerne von "Geldvernichtung" sprechen, wenn Aktienkurse einbrechen oder Unternehmen in die Insolvenz rutschen. Das ist natürlich Unfug. Wer Aktien kauft, gibt dafür Geld aus. Das hat dann ein anderer und bei dem löst es sich ganz bestimmt nicht in Nichts auf, nur weil der Kurs der Aktien, die er rechtzeitig verkauft hat, in den Keller geht.

Aber hat das Geld wirklich ein "ewiges Leben"?
In Lehrbüchern und Seminaren zur Makroökonomie wird gerne unterstellt, das Geld liefe praktisch endlos im Kreis und könne daher immer wieder für Transaktionen verwendet werden. Es wird daraus gefolgert, dass es eine Umlaufgeschwindigkeit des Geldes gäbe, die prinzipiell ermittelt werden kann, indem die Gesamtleistung des betrachteten Wirtschaftsraumes während des Beobachtungszeitraumes durch die in diesem Wirtschaftsraum vorhandene Geldmenge dividiert wird. Ein Bruttosozialprodukt von 100 Milliarden Euro bei einer Geldmenge von 20 Milliarden Euro ergibt also eine Umlaufgeschwindigkeit von 5, ist die Geldmenge im Verhältnis zum Sozialprodukt kleiner, erhält man eine höhere Umlaufgeschwindigkeit und umgekehrt.
Dass das Geld nicht überall und nicht zu allen Zeiten gleich schnell umläuft, hat mindestens ebenso viele Gründe, wie es Menschen gibt, die Geld ausgeben bzw. nicht ausgeben. Die Wissenschaft fasst alle diese Einzelgründe in dem so genannten "Kassenhaltungskoeffizienten" als General-Buhmann zusammen. Der Kassenhaltungskoeffizient ist schuld daran, wenn das Geld mehr oder weniger lange in Kasse und Geldbeutel verweilt, damit die Umlaufgeschwindigkeit bremst und letztlich das Leistungsvermögen der Volkswirtschaft bestimmt. Diese Theorie fördert das Verharren in einem fatalen Missverständnis, weil sie dem Geld einen Warencharakter zubilligt, also seine materielle Gegenwart ebenso voraussetzt, wie seine Dauerhaftigkeit, die nur durch physische Gewaltanwendung (Zerreißen, Verbrennen, etc.) gefährdet sei. Eine realistische Betrachtung der Geldbewegung innerhalb der realen Wirtschaft ergibt ein ganz anderes Bild:
Das in unserem Geldsystem ausschließlich vorhandene Kreditgeld läuft nicht um. Es wird bei Bedarf geschaffen, verweilt danach für unbestimmte - meist sehr kurze - Zeit in einem kleinen Ausschnitt des Wirtschaftens, bis es sich durch einen "zufälligen" Tilgungsvorgang für einen beliebigen Kredit definitiv auflöst oder bis es durch Sparen zu Geldvermögen gerinnt und damit, mangels Beweglichkeit, seine Funktion als Zahlungsmittel einbüßt.
Die vorstehende Behauptung über die Eigenschaft des Geldes, sich durch Tilgungs- oder Sparvorgänge aufzulösen, ist im Rahmen dieses Buches bisher nur eine Hypothese. Doch kann in Bezug auf die Sparvorgänge vorläufig die Erkenntnis aus dem Modell "Tischlerbauer & Co." als hinreichender Hinweis betrachtet werden, dass "bösartiges" Sparen, also das Horten von Geld, um es anderen vorzuenthalten, die Möglichkeiten des Geldes, als Zahlungsmittel verwendet zu werden, vollkommen stilllegt.
Im Hinblick auf den Untergang des Geldes im Zuge der Tilgung könnte fürs Erste in Erwägung gezogen werden, dass eigentlich immer dann, wenn ein von einem Urschuldner ausgestellter Schuldschein wieder bei diesem selbst ankommt, der Schuldschein zu einem wertlosen Papier werden muss, das getrost weggeworfen werden kann, weil die anfänglich geschuldete Leistung nun (endlich) erbracht ist.
Es gilt, in der weiteren Beschäftigung mit der Thematik den Beweis zu führen, dass Geld durch Tilgungs- und Sparvorgänge tatsächlich vernichtet wird. Gelingt dieser Beweis, dürften die im Zeitraum eines Jahres innerhalb einer Volkswirtschaft erfolgreich abgewickelten Transaktionen nämlich nicht mehr als das Produkt aus fixer Geldmenge und variabler Umlaufgeschwindigkeit betrachtet werden. Es wäre stattdessen anzunehmen, dass die Summe der Transaktionen dadurch begrenzt wird, in welchem Maße es gelingt, der ständigen Geldvernichtung (durch Tilgung bzw. durch Bildung von Geldvermögen) durch ein ausreichendes Maß an Neuverschuldung soweit entgegenzuwirken, dass das für Handel und Wandel erforderliche Geld jeweils im rechten Augenblick zur Verfügung steht.
Anders formuliert: Wenn Geld durch Tilgungs- und Sparvorgänge tatsächlich vernichtet wird, dann ist die Gesamtheit der innerhalb eines Jahres abgewickelten Transaktionen in erster Linie vom Umfang der Brutto-Neuverschuldung (der Nichtbanken) abhängig, wobei wir unter Brutto-Neuverschuldung die Summe aller ausgereichten Kredite, einschließlich aller Überziehungsvorgänge auf Girokonten verstehen, ohne Tilgungsleistungen oder die Wiederauffüllung von Girokonten dagegen zu rechnen. Tendenziell führt das dazu, dass sich das immer stärker auf unbaren Zahlungsverkehr ausgerichtete Wirtschaften auf einen Zustand zu bewegt, in dem der absolut überwiegende Teil der gesamten Geldschöpfung (Brutto-Neuverschuldung) dem Wirtschaftkreislauf nur noch für eine einzige Transaktion zur Verfügung steht, was sofort zu neuerlichem Geldmangel und Kreditbedarf führt.
Ohne komplexe wissenschaftliche Beweise führen zu müssen, lässt sich alleine aus den Motiven für jegliche Art von Kreditnahme und aus den Bedingungen der Kreditgewährung zweifelsfrei ableiten, dass eine kreditgeldbasierte Volkswirtschaft - solange ihr nicht von außen Geld zugeführt wird - insgesamt immer einen Geldmangel aufweisen wird, was nicht ausschließt, dass auf Teilmärkten zeitweise oder dauerhaft Geldüberfluss herrscht.
Motiv für Kreditaufnahme ist stets die Notwendigkeit, Geld für den Erwerb von Waren und Werten (Konsum- und Investitionsgüter, aber auch Spekulationsobjekte wie Aktien, Optionsscheine oder Schweinehälften), von Leistungen (für den betrieblichen, wie für den privaten Bereich) und für die Bezahlung von Löhnen, Zinsen, Mieten und Pachten (ebenfalls im betrieblichen, wie im privaten Bereich) zu beschaffen, weil es der Bedarfsträger zu diesem Zeitpunkt nicht hat, also auf der Nachfrageseite Geldmangel herrscht.
Bedingung für die Kreditgewährung ist stets eine ausreichende Bonität, also entweder die Verfügbarkeit ausreichender Sicherheiten oder ein (pfändbares) sicheres Einkommen oder ein wohlbegründeter, erfolgversprechender Businessplan. Nur wenn die kreditgewährende Bank unter Abwägung aller Risiken zu dem Schluss kommt, der Schuldner könne die geliehene Summe samt Zinsen und Gebühren termingerecht aufbringen und zurückzahlen, kommt ein Darlehensvertrag zustande.
Folglich bleibt der auf der Nachfrageseite festgestellte Geldmangel zumindest überall da bestehen, wo weder Einkommens- noch Gewinnerwartungen bestehen und/oder die erforderlichen Sicherheiten nicht gestellt werden können. Den davon betroffenen Menschen bleibt, wenn sie das fehlende Geld anderweitig beschaffen wollen, theoretisch die Möglichkeit, zu versuchen, durch zusätzliche Arbeit zusätzlichen Lohn zu erwerben. Praktisch ist das, wie wir noch sehen werden, jedoch nur im Einzelfall im gewünschten Umfang möglich.


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Egon W. Kreutzer
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band IV

Vorwort und Inhaltsverzeichnis

 

Vorwort

Mit dem Erscheinen des vierten Bandes ist "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre" abgeschlossen.

Vom ersten Band an habe ich darauf hingearbeitet, diesen Schlusspunkt, die "Kritik des aggressiven Eigentums", auf ein wohlvorbereitetes Fundament zu setzen. Stellvertretend für viele andere Textstellen habe ich aus den vorangegangen drei Bänden die nachstehenden Zitate ausgewählt, um auf diese letzte, ins Philosophische hineinreichende Auseinandersetzung einzustimmen, deren Wurzel in der Erkenntnis liegt, dass auch beim Eigentum die Dosis über die Wirkung entscheidet.

Im ersten Band, Kapitel 10, Der Wirtschaftskreislauf, heißt es bereits:

"Was auch immer erzeugt, erdacht, verkauft, gehandelt, getauscht, verliehen und zurückgezahlt wird, wie die einzelnen Stufen von Produktions- und Wirtschaftsprozessen beschrieben und gegeneinander abgegrenzt werden, es geht (dabei) um nichts anderes als um möglichst viel Gewalt über möglichst viele werthaltige Sachen."

 

Eine der Kernaussagen des zweiten Bandes, im Abschnitt "Die Überbevölkerung" lautet:

"Überbevölkerung, das sind offenbar Menschen, die vom wirtschaftlichen Wachstum abgekoppelt sind. Menschen, die eben nicht in der Überzahl sind, sondern die als überzählig angesehen werden, weil sie weder als Erzeuger von Produkten und Dienstleistungen eine wichtige Rolle spielen, noch als Abnehmer von Produkten und Dienstleistungen erkennbar hervortreten."

Und im dritten Band ist der Zweifel an der unveränderlichen Wohltätigkeit des Eigentums im Zusammenhang mit der Verfügbarkeit der Zahlungsmittel angemeldet worden:

"Die marktferne Anhäufung ungenutzter Liquidität erzeugt Geldmangel. Geldmangel bedeutet Illiquidität, Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz. (...) Weil in unserem Wirtschaftssystem die alleinige Verfügungsgewalt über das Geld in der Hand des Kapitals und des Bankwesens liegt, bestimmt einzig das Kapital über das Maß der möglichen Beschäftigung in der Realwirtschaft."

 

Diese Sätze aus den drei bisher erschienenen Bänden der "wahnwitzigen Wirtschaftslehre" sollen daran erinnern, dass unser Wirtschaften, so wie es organisiert und durch Gesetze und Verordnungen, durch Verträge und Verabredungen geschützt ist, nicht primär darauf abzielt, den Menschen Nahrung, Kleidung und Wohnung zu schaffen, ihnen Kommunikation, Mobilität und Genuss zu ermöglichen - also darum, die Bedürfnisse aller Mitglieder der Gesellschaft zu befriedigen, sondern in erster Linie darum, den Reichtum einzelner zu mehren. Dass dieses Ziel - derzeit auch noch - dadurch erreicht werden kann, dass Nahrung, Kleidung und Wohnraum für die Massen erzeugt wird, dass Telefone, Automobile und Saunaöfen produziert und verkauft werden, ändert nichts daran, dass der ganze Aufwand, der getrieben wird, Produktion und Handel zu organisieren, nur ein Mittel zum Zweck, aber keineswegs der Zweck selbst ist.

Das Streben nach Eigentum, zu dem wir von Kindesbeinen an erzogen werden, weil Eigentum Sicherheit gibt, Anerkennung verschafft und zusätzliche Chancen eröffnet, ist die Triebfeder unseres Wirtschaftens.

Mit diesem Buch habe ich den Versuch unternommen, eine Grenze zu ziehen, zwischen jenem guten und nützlichen Eigentum, das sich in einer Gesellschaft gleichberechtigter und gleichwerter Menschen - ohne Probleme auszulösen - erwerben und verwenden lässt, und seiner hässlichen und schädlichen Ausprägung, jener Form von Eigentum, dessen Anhäufung Ungerechtigkeit, Not, Aufruhr und Krieg hervorbringt und jede Gesellschaft - selbst eine bestmöglich demokratisch verfasste - unweigerlich in Privilegierte und Nichtprivilegierte, in Herrscher und Beherrschte spaltet.

Dazu war es erforderlich, den Eigentumsbegriff in allen seinen Facetten zu beleuchten und insbesondere jene Formen des Eigentums zu betrachten, die über die reine physische Gewalt über Sachen hinausgehen, nämlich alle jene Rechtspositionen, die es ihrem "Inhaber" erlauben, die freie Entfaltung der Fähigkeiten anderer Menschen davon abhängig zu machen, dass sie sich bereit erklären, ihm, dem Rechte-Inhaber, einen Tribut, einen Zins, eine Lizenzgebühr zu zahlen.

Diese - über das reine physische Sich-Aneignen hinausgehende Eigentumsform - beginnt durchaus schon da, wo nach allgemeinem Verständnis doch nichts, als das ganz selbstverständliche Verfügungsrecht über den "eigenen" Grund und Boden ausgeübt wird, nämlich dann, wenn es sich dabei um Flächen handelt, die weder vom Eigentümer, noch von seinen Unternehmen und Organisationen selbst genutzt werden, was bedeutet, dass das Eigentumsrecht ganz explizit nicht der Ermöglichung einer eigenen "Produktion" dient, sondern ausschließlich zur Verhinderung bzw. Erschwerung der Produktion aller anderen ausgeübt wird, um dadurch schließlich eine parasitäre Teilhabe an der Leistung anderer zu gewinnen.

Ihre "Vollendung" finden diese Eigentumsformen dort, wo Patente und Schutzrechte missbraucht werden, wo in erpresserischer Absicht Geld gehortet wird und wo die Verfügungsgewalt über die Medien genutzt wird, um die Wahrheit zu unterdrücken.

Ich habe des Weiteren dargelegt, dass schon ein geringes Maß an "schlechtem, aggressivem" Eigentum zu seiner Wahrung Gewalt erfordert, dass eine leichte und schnelle Gewöhnung an solche Gewaltanwendung eintritt, die wiederum dazu verführt, Eigentum nicht nur gewaltsam zu bewahren, sondern es - der Einfachheit halber - mit Hilfe der aufgebauten Gewaltpotentiale auch gewaltsam zu mehren. Dabei wird erkennbar, dass Eigentum und Gewalt, Gewalt und Eigentum sich nicht nur bedingen, sondern sich gegenseitig verstärken und zuletzt nur noch ein Ziel haben können, nämlich allen vorhandenen Besitz auf einen Eigentümer zu vereinen.

Die Schlussfolgerung daraus ist bestürzend. Der unbegrenzte Eigentumsbegriff, den die westlich-kapitalistischen Demokratien herausgebildet haben, läuft den Bemühungen, ein friedliches und harmonisches Miteinander der Menschen und der Völker zu erreichen, zuwider. Die Sozialbindung des Eigentums, wie sie im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland zwar formuliert, aber in der gelebten und von Richtersprüchen geformten Verfassungswirklichkeit nicht existent ist, muss dringend normiert und eingeklagt werden.

Dass, und wie

sich in einer gleichberechtigten Gesellschaft eine neue, bessere und gerechtere Eigentums- und Besitzordnung organisieren ließe, habe ich in einem umfassenden Vorschlag in den letzten Kapiteln dieses Buches zur Diskussion gestellt. Ich würde mich freuen, wenn auch Sie sich an dieser Diskussion beteiligen, damit wir gemeinsam eine Mehrheit der Demokraten organisieren können, die dem hemmungslosen Streben nach Besitz und Eigentum die Schranken setzt, die jede Gesellschaft braucht, sobald sie begriffen hat, dass die Freiheit des Einzelnen immer dort enden muss, wo die Freiheit des anderen beginnt.

Unterbernbach im November 2006

Egon W. Kreutzer

 


Inhalt

 

Vorwort

Der Eigentumsbegriff
Friedliches Eigentum
Eigentum des Individuums an sich selbst
Eigentum des Individuums an seinen zum Verbrauch bestimmten Vorräten
Eigentum an langlebigen Wirtschaftsgütern
Eigentum an Wohnraum und Garten

Aggressives Eigentum
Eigentum an Grund und Boden über Wohnraum und Garten hinaus
Eigentum an Produktionsmitteln
Eigentum an Verwertungsrechten, also Ideen, Erfindungen, künstlerischen Werken
Eigentum an Wasser, Luft, Saatgut und anderem Erbgut
Eigentum an Ansprüchen auf Geld über das Maß einer vernünftigen Vorsorge und Existenzsicherung hinaus
Eigentum an der Lebenskraft anderer Menschen (Sklaverei und vergleichbare Formen der Beherrschung)

Die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen

Eigentum, Macht und Gewalt
Verlustängste
Hierarchie der Verlustängste
Verlustängste im kleinen privaten Hauhalt
Verlustängste im Unternehmen
Verlustängste im großen privaten Haushalt
Verlustängste im Stadtviertel und in der Kommune
Verlustängste im Staat

Die falschen Schlüsse und ungeschriebene Gesetze
Gesetz der optimalen Größe
Gesetz der optimalen Reproduktionsrate
Gesetz der optimalen strategischen Anpassung

Erkenntnisse und Erfordernisse
Die Vermögenssteuer, eine vernachlässigte Chance
Die gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen
Mindestanforderungen zur gerechten Teilhabe
Teilhabe an Grund und Boden
Maß und Grenzen des friedlichen Eigentums
Überwindung des aggressiven Eigentums

Das Eigentumsmodell - Teil 1 Privateigentum

Grund und Boden, wahlfreies Grundeinkommen
Wahlfreies Grundeinkommen - das Prinzip
Wahlfreies Grundeinkommen - im Detail
Das Recht auf den angemessenen Anteil
Wahl des tatsächlich genutzten Grundstückes
Mehrbedarf
Vererben und Erben

Erste zusammenfassende Bewertung
Die tatsächlichen Änderungen
Wahlfreies Grundeinkommen, prognostizierte Entwicklung
Die grundsätzlichen Mechanismen im System des wahlfreien Grundeinkommens
Der große land- und/oder forstwirtschaftliche Betrieb
Industriegelände, Innenstadt-Kaufhausgrundstück, Wohnungsbestand
Hauptberufliche Großgrundbesitzer
Entschädigung für Grundeigentümer
Bemessungsgrundlagen
Formen der Entschädigung
Berechnung der Entschädigungsleistung
Missbrauch, Flucht ins Ausland

Eigentum an Geld und Forderungen auf Geld

Eigentum an Ideen - Patente und andere Schutzrechte

Eigentum an produktiven Organisationen
Der persönlich haftende Unternehmer
Der Anteilseigner
Das Erhaltungsverfahren
Extremfälle des neuen Unternehmensrechts

Das Eigentumsmodell - Teil 2 Staats-Eigentum

Staat als Treuhänder

Öffentliche Infrastruktur

Andere Unternehmen der Öffentlichen Hand

Patente und Schutzrechte in Öffentlicher Hand?

Einen Anfang wagen

Einführung
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Einführung speziell Band II  Leseprobe Band II
Einführung speziell Band III  Leseprobe Band III
Einführung speziell Band IV  Leseprobe Band IV



 

 

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