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 Lesermeinungen zum Buch


Leseprobe

Isabel Horstmann



Im Dschungel
der Maßnahmen

eine Bewerbungstrainerin berichtet


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Im Hier und Jetzt

Im September 2004 begann ich nach einer cirka dreijährigen Unterbrechung wieder als Bewerbungstrainerin zu arbeiten, die einzige Möglichkeit, Hartz IV zu entgehen.

Eine Woche bevor ich endgültig Arbeitslosengeld II hätte beantragen müssen, entdeckte ich die Anzeige eines Bildungsträgers, für den ich früher bereits gearbeitet hatte; sie suchten einen Dozenten auf Honorarbasis für Bewerbungstraining.
So baute ich mir erneut eine freiberufliche Existenz auf.

(...)

Bei dem, was ich dabei erlebt habe und hier an Beispielen anführe, handelt es sich keineswegs um Einzelfälle, sondern um symptomatische Vorgänge, die sich überall wiederholen.

Eine sinnvolle Reihenfolge der Schilderungen zu finden war kaum möglich. Ich kann hier nur aus meiner Perspektive als Dozentin schildern. Ich leiste keine vollständige Überschau vom Feldherrenhügel aus, sondern mein Blick irrt unten, mitten im Getümmel herum. Das hat den Vorteil, dass der Leser so nahe an die selbsterlebten realen Vorkommnisse und ihre Wirkungen auf die betroffenen Menschen herangeführt werden kann, wie es erforderlich ist, um die direkte Betroffenheit zu verspüren, ohne die der ganze Irrsinn gar nicht verstanden werden kann.


Doppelt hält besser

Zu Kursbeginn eines Bewerbungstrainings erschien ein Teilnehmer mit zwei Einladungen in der Hand. Er war durch die Agentur für Arbeit in beiden Anschreiben aufgefordert worden, die jeweilige Maßnahme zu besuchen. Es handelte sich um zwei verschiedene Maßnahmen, die allerdings am selben Tag und zur selben Stunde begannen, aber von verschiedenen Trägern an verschiedenen Orten ausgeführt wurden.
Nun versuchten wir zu klären, zu welchem von beiden Kursen der Eingeladene tatsächlich gehen sollte. Zunächst hingen wir in den telefonischen Warteschleifen der Arbeitsagentur fest.
Das geschieht nicht nur den Arbeitsuchenden, sondern ebenso den Dozenten an den Bildungseinrichtungen und den Verwaltungsangestellten dort. Keiner von uns erhält direkte Durchwahlen, höchstens mal über ‚Connections', aber da die Arbeitsberater ihr Telefon auf die Infozentralen umgeleitet haben, kann man sie meist dennoch nicht erreichen. Vor allem wenn man, wie ich, an häufig wechselnden und immer wieder neuen Standorten arbeitet, beginnt man immer wieder neu, sich die Kanäle zu erschließen und wenn man endlich Kontakte und einen Eindruck gewonnen hat, wartet schon der nächste Einsatz an einem fremden Ort. So ist es kaum möglich, ein persönliches Verständigungsnetz aufzubauen. Auch dringende Angelegenheiten lassen sich oft lange nicht klären. Alle Beteiligten können ihre eigentlichen Aufgaben nicht wahrnehmen und verbringen ihre Zeit mit solchen Telefonaten, die zu niemandem und nichts mehr führen.

Schließlich meldete sich jemand in einem der telefonischen Informationszentren der Arbeitsagentur. Dieser Mensch notierte sich das Anliegen und schickte dann dem Arbeitsberater des Arbeitssuchenden eine Mail. Das ist heute der einzige Weg der Kontaktaufnahme. Der Arbeitsberater oder die Beraterin ist daraufhin angehalten, sich binnen 48 Stunden zu melden.
Wir warteten also auf diesen Rückruf. Solange bat ich den Teilnehmer, in meiner Maßnahme zu bleiben, sonst wäre es ja als unentschuldigtes Fehlen gewertet worden. Schließlich erfolgte ein Rückruf durch die Arbeitsagentur, und der Arbeitsberater bestätigte die eine Einladung. Von der anderen Einladung aber wusste er nichts und konnte sich auch nicht vorstellen, aus welcher Quelle sie stammte.

Diese Einladungen mit Rechtsbehelfsbelehrung enthalten mittlerweile weder Durchwahlnummern noch Unterschriften. Eine Zeitlang waren die in den alten Formularen und Schreiben noch vorhandenen Namen und Durchwahlnummern mit Tippex übertüncht worden, mittlerweile fehlen sie ganz. Wer ein Schreiben bekommt, weiß nicht, an wen er sich wenden kann, wenn es Komplikationen gibt. Die Arbeitsberater wechseln derart häufig, dass ihre Klientel oft keine Ahnung hat, wer für sie zuständig ist.
Im eben erwähnten Fall war nicht mehr zu klären, wer in der Agentur für Arbeit die andere Einladung verschickt hatte. Deswegen gab es auch keine Möglichkeit, diesem Sachbearbeiter die Situation zu erklären. Ich war nicht lange genug in diesem Kurs um zu verfolgen, ob die Arbeitsagentur mit einer Leistungskürzung wegen des Nichterscheinens des Kunden bei der zweiten Maßnahme reagiert hat. Möglich wäre es zumindest gewesen. In diesem Fall hätte der Kunde die Beweislast und ein langwieriges Verfahren abzuwarten, bis die Sperre wieder aufgehoben wird.

Dass ein Mensch sich nicht zweiteilen kann, ist bekannt.

Aber die stereotype Antwort auf Argumente des gesunden Menschenverstandes ist, dass man ja nur seine Pflicht tue und den Vorgaben entsprechen würde; alles wäre demnach rech-tens.

Dies war übrigens kein skurriler Einzelfall. Manche Teilnehmer werden mit Einladungen direkt überschwemmt, und viele sitzen schon in ihrem dritten, vierten oder fünften Bewerbungstraining innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Auch dass, wie in diesem Fall, jemand für denselben Tag zu zwei verschiedenen Kursen an verschiedenen Orten eingeladen wurde - beide mit Beginn um 8.00 Uhr morgens - habe ich mehrfach erlebt.




Zu diesem Buch meint

Florin H.

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

ich freue mich für Frau Horstmann und für Sie, dass der Dschungel der Maßnahmen wohl schon großen Erfolg hat.

Früher als erwartet hatte ich das Buch in meinen Händen und habe es auch sofort gelesen. Frau Horstmann schreibt wirklich aus dem Leben - viele Dinge habe ich selbst miterlebt, so wie es dort geschrieben steht.

Ich selbst habe 3 Jahre in einem Bildungszentrum eine überbetriebliche Ausbildung (vom Koch zum Bürokaufmann!!!) absolviert. Schon bei uns jungen Leuten habe ich eine unheimlich negative Spannung in der Gruppe gespürt - viele wollten diese Ausbildung nie machen. Noch schlimmer empfand ich das "Leid" der Umschüler. Teilweise waren die Leute bis zu 57 Jahre alt, die in einer 1 1/2-jährigen Umschulung fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollten - bei fünfen war es sogar schon die zweite Ausbildung.

Heute bin ich ein sehr erfolgreicher Unternehmer und habe trotzdem immer noch mit dem Arbeitsamt zu tun. Aus den Anfängen meines Bezuges von Ich-AG Leistungen führe ich seit zwei Jahren einen Prozess gegen die Anrechnung dieser Leistungen auf den Bezug von ALG-II. Diesen Bezug habe ich damals strikt abgelehnt und trotzdem habe ich dieses Geld erhalten. Danach wurden sämtliche Leistungen im Verbund mit einer Strafe in Höhe von 5.000 Euro !!! zurückgefordert. Die beteiligten Mitarbeiter sind teilweise umbesetzt worden oder entlassen. Mit ähnlich "geläuterten" Existenzgründern (viele sind wieder arbeitslos) habe ich sämtliche Instanzen bis vor das Bundessozialgericht genommen - mit dem Ergebnis, dass das Arbeitsamt im Grunde Recht bekommen hat, die Entscheidung jedoch an die jeweiligen Landessozialgerichte zurückverwiesen wurde.

Der Wahnsinn, den einige Karriereristen in den Ämter produzieren, kostet den Steuerzahler Millionen Euro anstatt dieses Geld vernünftig zu verwenden.

Danke für Ihr Engagement, dass auch "einfache" Autoren ohne Mainstream-Lobby Ihre wichtigen Gedanken verbreiten können.

Mit freundlichen Grüßen

Florian H.


Elli R.

Hallo Herr Kreutzer, ich bin gerade mittendrin in Frau Horstmanns Maßnahmendschungel - lesemäßig meine ich - und möchte nur melden, daß ich es sehr interessant finde. Obwohl mich dieses Thema nicht direkt betreffen kann, finde ich, jeder Mitmensch in diesem Lande sollte sich informieren. Ich werde es auf jeden Fall weiterempfehlen. Freundliche Grüße, Elli Raßmus




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