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Winfried Pohl
Erlegte Jäger
Winfried Pohl ist es auch mit seinem zweiten "Eifel-Krimi" gelungen, die Eifel und ihre Menschen, als lebendigen Hintergrund in die Geschichte einzubinden. Kleine anektotenhaft eingestreute Nebengeschichten lassen für Augenblicke die tödliche Spannung vergessen, doch der rote Faden reißt keinen Augenblick ab ...
Leseprobe
Regen und Sturm hatten noch an Intensität zugenommen. Ich überquerte schnell den Hof, sprang eine Steinstufe hinauf zur Tür der Gaststätte und gelangte in einen gemütlichen Raum, an dessen rechter Seite eine altertümlich anmutende, mit viel Keramik und Kupfer ansprechend gestaltete Theke stand. An ihrer Vorderseite lehnten acht Männer in Gummistiefeln und warmer Kleidung, mit Bier- und Schnapsgläsern vor sich. Mitten im Raum stand ein großer runder Tisch, auf dem vier Gewehre lagen, die von einem Kollegen in Uniform bewacht wurden. Um diesen wiederum hatte sich eine Gruppe von drei Männern postiert, die wild gestikulierend auf ihn einredeten. Sie trugen alle eine grüne Jägerkluft, und damit auch nicht der geringste Zweifel an ihrem Jägerdasein aufkommen konnte, steckten alle in wuchtigen Lodenmänteln.
Etwas abseits davon vertrat sich ein stiernackiger, kahlrasierter Schlägertyp die Füße. Er trug eine Lederjacke, die über und über mit Aufnähern und bunten Stickern versehen war. Bei genauerer Betrachtung handelte es sich ausschließlich um Darstellungen von Totenköpfen in unterschiedlichen Varianten. Dieser Typ passte in diese Gesellschaft ungefähr so gut, wie eine Nonne in ein Bordell auf Sankt Pauli.
Niemand hatte mein Eintreten bemerkt und so trat ich näher an den Tisch heran und grüßte laut: "Guten Abend!" Schlagartig verstummten alle Gespräche und jeder im Raum drehte sich zu mir um. Aus der Gruppe der Jäger löste sich ein großgewachsener Mann mit leicht ergrauten Haaren und kam auf mich zu. Er musterte mich mit stechenden, grünen Augen und wirkte wie jemand, der es gewohnt ist, den Ton anzugeben.
"Na endlich", brummelte er unfreundlich, "ich hoffe Sie sind hier, um diesem Unsinn ein Ende zu bereiten. Wir werden behandelt wie Schwerverbrecher. Unsere Waffen sollen beschlagnahmt werden. Haben Sie überhaupt eine Ahnung, welcher Wert dort auf dem Tisch liegt? Wer übernimmt denn die Verantwortung, falls eine der Waffen beschädigt wird? Seien Sie sicher, dass ich mich über Ihr Vorgehen an geeigneter Stelle beschwerden werde."
Auch das noch. Triefend nass, zitternd vor Kälte und jetzt noch dieser Ton. Meine Laune stürzte auf den Nullpunkt.
"Nun mal halblang", erwiderte ich dementsprechend scharf, "es handelt sich hier keineswegs um Unsinn, sondern um polizeiliche Ermittlungsarbeit. Diese Waffen wurden sichergestellt und werden einer ballistischen Untersuchung zugeführt. Darüber können Sie sich meinethalben gerne an geeigneter oder ungeeigneter Stelle beschweren, das steht ihnen frei. Dass nur wenige Kilometer von hier entfernt jemand tot auf einem Ansitz liegt, dürften Sie wohl kaum vergessen haben, oder?"
Ich schaute ihn provozierend an und erwartetet seine Antwort. Zu meiner Überraschung kam diese aber von der rechten Seite. Der Stiernacken musste wohl lautlos zu uns herüber gekommen sein und nun vernahm ich seine Reibeisenstimme sehr nahe an meinem Ohr.
"Sehr richtig. Dort liegt ein Toter. Deshalb sollten Sie sich endlich auf den Weg machen und diese militanten Tierschützer unschädlich machen, denen es scheinbar nicht mehr genügt, nur Hochsitze umzusägen. Und vor allem", fügte er scharf hinzu, "mäßigen Sie meinem Chef gegenüber Ihren Ton."
Es reichte. Jetzt hatte ich die Nase endgültig voll. Während er mir in mein Ohr sülzte hatte ich stur geradeaus geschaut und seinen Chef mit meinem Blick durchbohrt. Auch jetzt wendete ich den Kopf nicht und sprach nur seinen Chef an.
"Sagen sie ihrem Gorilla, Pavian, Schimpansen oder um welchen Primaten sich es sonst bei ihm handeln mag, dass er mich nur noch einmal von der Seite anquatschen braucht, wenn er die Nacht in der Sicherungszelle verbringen will. Außerdem hat er Mundgeruch, und wenn er nicht sofort zwei Schritte von mir abrückt, ist es schon so weit."
Ich war stinkwütend. Verdammtes, überhebliches Gesindel, das konnte ja noch sehr lustig werden. "Und jetzt hätte ich gerne Ihren Namen und Ihre Adresse, und das schnell und ohne jegliche weitere Kommentare."
Er schaute mich an und ich konnte deutlich sehen, wie seine Halsschlagader zu schwellen begann. Aber er hatte sich binnen Sekunden wieder im Griff. Mit einem kurzen Wink machte er dem Stiernacken klar, dass er zurücktreten sollte und mit einem Tonfall, der mir wohl zeigen sollte, dass mir mein Verhalten noch leid tun würde, antwortet er: "Mein Name ist Paul Dragowski. Ich bin der Jagdpächter und Gastgeber dieser Treibjagd. Ich kann ihnen versichern, dass unser Jagdkollege nicht mit einer dieser Waffen getötet wurde. Es waren diese militanten Tierschützer, die uns seit Monaten das Leben schwer machen. Offenbar haben die aber sehr einflussreiche Freunde bei der Polizei, denn die unternimmt nichts gegen sie."
"Es reicht, ist gut", unterbrach ich ihn, denn ich hatte keine Lust auf weitere Konversation. "Der Kollege wird von allen Anwesenden Namen und Adressen aufnehmen. Dann werden Ihre Waffen eingezogen, wofür sie natürlich eine Quittung erhalten. Sollte der tödliche Schuss tatsächlich nicht aus einer dieser Waffen gekommen sein, erhalten sie diese schnellstmöglich zurück. Und nun wünsche ich Ihnen allen eine gute Nacht."
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