zurück zu Startseite EWK-Verlag Startseite egon-w-kreutzer.de Leseprobe
Michael Brückner
Exzellenz in der Nische
Uhrenmanufakturen im Portrait
Als Leseprobe haben wir hier Michael Brückners Einleitung gewählt:
Ein Buch
der Uhren-Leidenschaft
Welche Namen fallen Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, spontan ein, wenn Sie an Luxusuhren denken? Wir möchten wetten, Ihnen kommen sofort die Nobelticker der Marke Rolex in den Sinn. Auch Breitling, IWC, Omega und Panerai zählen in aller Regel mit zu den ersten Assoziationen.
Wer sich gar für die Spitze der Uhrmacherkunst interessiert, dem kommen die Namen der großen Manufakturen über die Lippen: Patek Philippe zum Beispiel, Lange & Söhne oder Jaeger LeCoultre. Darin spiegeln sich die Macht und Magie der Marke. Sie sorgt dafür, dass Uhren dieser Hersteller meist mit ordentlichen Margen verkauft werden können ("Marken machen Margen") und später auf Auktionen in manchen Fällen - doch keineswegs immer - attraktive Preise erzielen.
Wer aber spricht von der Dresdner Manufaktur Lang & Heyne, die weltweit mit zu den ersten Adressen der Feinuhrmacherei zählt? Und längst nicht jeder Liebhaber edler Zeitmesser hat schon etwas von Dirk Dornblüth gehört, der in einem versteckten Winkel von Sachsen-Anhalt mit großer Leidenschaft Uhren für Connaisseurs baut.
Die Marke Habring² dürfte ebenfalls nur wenigen bekannt sein, ebenso wie "Mister Retro-Man", wie sich der Uhrmachermeister Rainer Nienaber in der westfälischen Zigarrenstadt Bünde selbst gern nennt. Kenner wissen: Sein Name steht für Zeitmesser mit retrograder Anzeige, das heißt, der Zeiger dreht nicht gemächlich seine Runden, sondern schnellt nach einer bestimmten Zeitspanne wieder zurück zum Ausgangspunkt.
Natürlich gibt es daneben eine Reihe kleinerer Hersteller, die durchaus bekannter sind und zum Teil über treue und höchst aktive Fangemeinden verfügen, die sich im Internet rege austauschen. Dazu gehört zum Beispiel die Glashütter Manufaktur Nomos, die sich seit Jahren mit ihren eher puristisch anmutenden Zeitmessern höchst erfolgreich im Wettbewerb mit den benachbarten Platzhirschen
A. Lange & Söhne und Glashütte Original behauptet. Nomos, das ist auch die Geschichte eines Mannes, der gleich nach der deutschen Wiedervereinigung nach Glashütte fuhr und den Grundstein für die heutige Manufaktur legte. Die ersten Uhren dieser Marke wurden in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung gefertigt.
Oder nehmen wir den Schweizer Uhrmachermeister Ueli Preisig, der einst bei IWC lernte und arbeitete, dann nach einigen "Wanderjahren" ein Schmuck- und Uhrengeschäft im Herzen von Schaffhausen gründete und irgendwann einmal auf die Idee kam, selbst preiswerte mechanische Armbanduhren in kleinen Stückzahlen herzustellen. Seine Day-Date, die als einziger Zeitmesser den Namen des jeweiligen Tages in Schwyzerdütsch anzeigt, ist nachgerade ein Klassiker.Auf einem ganz anderen Gebiet arbeitet Stefan Kudoke in Frankfurt an der Oder: Er gilt als Meister des Skelettierens und hat sich damit weit über Deutschland hinaus einen Namen gemacht. Mit einer ganz anderen Idee reüssierte Manfred Brassler. Er knüpfte an alte Traditionen an und bringt seit einigen Jahren Einzeiger-Uhren auf den Markt. Uhren mit dem Charme des Ungefähren, wie er sie bezeichnet. Uhren, die zur Entschleunigung in der Hochgeschwindigkeitsgesellschaft beitragen sollen.
In Schaffenhausen werden seit einiger Zeit wieder Uhren gebaut, die den Namen des großen Uhrmachers Heinrich Moser tragen, einst Uhrenbauer für den russischen Zarenhof. Der Leidenschaft des Uhren-Enthusiasten Jürgen Lange und der Risikobereitschaft einer kleinen Investorengruppe gelang es, diese Luxus-Marke wieder mit neuem Leben zu erfüllen. Selbstbewusst sieht sich Moser schon auf Augenhöhe mit A. Lange & Söhne und Patek Philippe.
Im vorliegenden Buch stellen wir Ihnen ganz unterschiedliche Manufakturen und Hersteller vor. Die Bandbreite reicht vom Ein-Mann-Unternehmen bis hin zu mittelständischen Betrieben wie H. Moser & Cie, Nomos Glashütte und Junghans. Sie alle haben sich in ganz unterschiedlichen Nischen einen Namen gemacht. Entsprechend differenziert stellt sich das Preisgefüge dar. Eine Nomos mit Manufakturwerk gibt es bereits ab 800 Euro. Wer eines der Spitzenmodelle von Lang & Heyne oder Moser erstehen möchte, muss schon einen fünfstelligen Betrag investieren.Wir haben für dieses Buch jene Menschen besucht, die hinter diesen Marken stehen. Wir sprachen mit ihnen, blickten ihnen über die Schultern, lauschten ihrer Philosophie und nahmen ihre Uhren kritisch unter die Lupe. Dabei entdeckten wir, dass es, bei allen Unterschiedlichkeiten der Produkte, in den Vertriebswegen und im Preis doch eines gibt, was alle vereint: ein unglaubliches Maß an Leidenschaft.
Dass die Uhren dieser Manufakturen und Hersteller zunehmend gefragt sind, hängt mit der beinahe schon natürlichen Entwicklung eines Uhrensammlers zusammen. Am Anfang seiner Karriere steht üblicherweise eine Omega oder eine Rolex. Im Laufe der Zeit gönnt er sich den einen oder anderen "Leckerbissen", manche schaffen es sogar bis zu einer Patek oder einer A. Lange & Söhne. Doch irgendwann wächst das Bedürfnis, ganz individuelle Akzente zu setzen und sich bewusst abzuheben von den Trägern der großen Marken. Dann stehen Uhren, wie sie in diesem Buch beschrieben werden, hoch im Kurs. Zumal sie einen entscheidenden Vorteil haben: Sie sind noch verhältnismäßig günstig, weil deutlich weniger Geld in aufwändiges Marketing und Sponsoring fließt. Natürlich ist eine Moser-Uhr, für die der Käufer mindestens 8.200 Euro investieren muss, teuer. Und nur ganz wenige Uhrensammler gehören zu den Glücklichen, die sich eine Lang & Heyne zum Einstiegspreis von knapp 23.000 Euro gönnen können. Doch um eine Uhr in vergleichbarer Güte von einer der großen Konzern-Manufakturen zu erwerben, müsste man noch deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Zunächst wollten wir in diesem Buch nur die wirklich kleinen Hersteller porträtieren und dabei der Frage nachgehen, wie sich all diese kleinen Davids gegen das Oligopol der Goliaths aus der Schweiz und aus Glashütte erfolgreich positionieren. Am Ende haben wir uns allerdings doch dafür entschieden, auch mittelständische Betriebe wie Nomos aufzunehmen, die unabhängig sind von Konzernen und bei denen man noch die erwähnte Leidenschaft für die Uhrmacherei spürt - ganz gleich, ob nun zwei oder achtzig Mitarbeiter für das Unternehmen tätig sind.
Liebe Leserin, lieber Leser, einige von Ihnen werden in dem vorliegenden Buch vielleicht ihre Lieblingsmarke vermissen. Was ist zum Beispiel mit den Uhren von Andreas Hentschel? Warum taucht Paul Gerber auf den folgenden Seiten nicht auf? Und weshalb werden die vielen kleinen, aber feinen Hersteller in der Schweiz nicht erwähnt? Warum fehlen andere Mitglieder der Académie Horlogère des Créateurs indépendants (AHCI)? Der Grund ist denkbar einfach: All diese und viele andere Namen werden Sie im zweiten Band lesen, der in angemessenem Abstand auf dieses Buch folgen soll.
Ich wünsche Ihnen eine kurzweilige Lektüre. Doch seien Sie auf der Hut:
Uhren können süchtig machen!
Ingelheim/Lindau, im November 2009
Ihr Michael Brückner
zurück zu Edition Michael Brückner
Sie vermissen Navigationsleisten - Impressum - Home-Button? Klicken Sie HIER und alles wird gut.