Buchvorstellung

Was soll ich mit der Autobiografie einer völlig unbekannten Frau?
Lesen! Lesen, wie einen Roman.

 








Die kleine Steinblume
Das Glück des Ankommens


Tschuluunzezeg Gaaw erzählt vom Leben ihrer Kindheit.
Geboren in einer eisigen Nacht in einer Jurte geht sie einen eigenwilligen Weg, an dessen Ende ein Stipendium für ein Studium der Ingenieurwissenschaften in der DDR steht.
d

Tschuluunzezeg Gaaw erzählt von ihren ersten Erlebnissen in Deutschland.
Nach der ersten großen, und dann doch enttäuschten Liebe, versucht sie, im fremden Land heimisch zu werden, sucht Anschluss, findet ihn, und steht plötzlich vor einem schier unüberwindlichen Berg von Problemen.

Tschuluunzezeg Gaaw erzählt von ihrer Wanderung zwischen den Welten.

Die nicht erfüllbaren Erwartungen der Eltern und Geschwister, die eigene Sehnsucht und Getriebenheit machen Ferien- und Urlaubsaufenthalte zu Fluchten, die im Kreis verlaufen.

Tschuluunzezeg Gaaw erzählt von sich, in vielen kleinen, wie an einer Perlenschnur aufgereihten Miniaturen, aber doch mehr, als eine Sammlung von Kurzgeschichten, denn der rote Faden, der sie zusammenhält, beschreibt ein Leben - ein verrücktes, kurioses, großartiges Leben.

Hier ein paar Textsplitter

 

Natürlich hatten wir Kinder auch unsere Aufgaben. Teetassen und Besteck nach den Mahlzeiten abspülen, Trinkwasser und Wasser zum Wäschewaschen vom Brunnen holen, jeden Morgen die Betten machen, die Jurte fegen und den Fußboden wischen. Aber wir wurden auch zu schwierigeren Arbeiten herangezogen: Brennholz mit der Handsäge sägen und spalten, Nudel- oder Kuchenteig zubereiten oder extra früh aufstehen und für alle den Tee kochen. Zu meinen Aufgaben gehörte es, gegorene Milch zu Butter zu stampfen, trockenes Gestrüpp und Zweige als Brennholz zu sammeln, Wasser vom Bach zu holen, Schafe, Ziegen und Kühe zu hüten und zu melken, die Tränke im Stall zu füllen, Lämmer und Zicklein mit der Flasche zu füttern und ähnliches mehr.


Ich hatte nicht nur Angst vor dem Reiten, ich war vor allem noch viel zu klein, um ohne fremde Hilfe auf das Pferd hinauf zu kommen. Das hatte für mich zur Folge, dass ich den ganzen Tag auf dem Pferd sitzen bleiben musste und ständig aufzupassen hatte, dass der Sattelgurt sich nicht lockerte, weil ich sonst mitsamt diesem Ding vom Pferd gefallen wäre.
 Startschwierigkeiten hatte ich bloß beim Lesen, aber schon nach drei Wochen konnte ich aus der Fibel fließend lesen und viele Geschichten, kurze Texte und Gedichte auswendig vortragen.
 Das Loch im Boden des Toilettenhauses war ziemlich groß, sodass man sein Geschäft, breitbeinig auf den quer liegenden Holzbrettern hockend, erledigen musste. Weil ich in Eile und auch noch nicht ganz munter war, verfehlte ich eines der Bretter und rutschte mit einem Bein in das Loch.
 Um die Tiere auf die andere Seite des Flusses zu bringen, muss man das Leittier mit einem Seil am Hals als erstes durch den Fluss ziehen. Die anderen Tiere folgen dem Leittier dann.
 Doch naiv wie ich war, glaubte ich nach dieser schrecklichen Tat, dass ich nicht schwanger geworden sein könnte, weil ich nicht in ihn verliebt war.
 Diese Goldmedaille war die höchste schulische Auszeichnung, die vom Schulamt, das seinen Sitz in der Hauptstadt Ulan-Bator hatte, verliehen wurde. Ohne weitere staatliche Prüfungen hätte ich mir damit meinen Traumberuf und das dafür notwendige Studium aussuchen und an der Universität von Ulan-Bator studieren dürfen. Meine Eltern, Tanten, Onkel und Geschwister wollten jedoch, dass ich im Ausland studiere, denn dies war etwas Besonderes für sie.
 Mein Studienort befand sich in der Nähe von Dresden. Ich wurde mit drei Studentinnen aus der DDR in ein Vierbettzimmer einquartiert.
 Das Wort "Kneipe" konnte ich zum Beispiel nicht aussprechen, weil mir das "p" zu schaffen machte. Ich sprach es immer als "f" aus. Als Ersatzwort nahm ich dann Gaststätte oder Restaurant.
 Auf jeden Fall wollte ich meine zweiten Sommerferien zu Hause verbringen. Daher habe ich tatsächlich angefangen zu sparen, denn ich wollte nicht nur nach Hause fahren, sondern auch mit schicken und modernen Klamotten und vielen Geschenken für meine Eltern, Geschwister und Verwandten zu Hause ankommen.
 Kurz vor dem Ende der Ferien fragte mich mein Vater bei einem Abendessen: "Wo möchtest du nach dem Studium arbeiten, in Ulan-Bator oder an deinem Geburtsort?"
 Unter der Woche war ich fast jeden Abend in der Gaststätte. Ich brauchte kein Geld, weil die Leute, die mit mir am Tisch saßen, mir Wein, Bier oder sogar Schnaps ausgaben. Ich dachte mir nichts Schlechtes dabei.
 Wir fuhren mit seinem Trabi los, wollten einen erholsamen Urlaub genießen und viel Sonne tanken. Die ersten zwei, drei Tage ging es mir auch wirklich gut. In den letzten Tagen fühlte ich mich aber ziemlich unwohl, ich litt unter Übelkeit und Appetitlosigkeit. Dies wurde dann Dauerzustand. Ich musste zum Arzt. Bei der Untersuchung stellte der Doktor fest, dass ich im vierten Monat schwanger war.
 Ich durfte meinen Freund in der DDR nicht heiraten. Da mein Land mein Studium finanziert hatte, benötigte ich die Zustimmung der Mongolei für die Heirat.
 In der Wohnung waren die Heizungen defekt, die Fenster undicht und etliche Fensterscheiben hatten Risse. Die Außentür war durch die Nässe und Kälte total verzogen und ging nicht richtig zu.
 Am frühen Nachmittag klingelte es an der Tür und als ich sie öffnete, stand eine Frau vom Jugendamt vor mir und sagte, es ginge um meine Kinder.
 Seine Brille fiel zu Boden und ging kaputt. Er stolperte an der Türschwelle, verlor das Gleichgewicht und ging zu Boden. Mit dem Messer in der Hand suchte er auf den Knien rutschend nach seiner Brille.
Die erste Stromrechnung war fast so hoch wie die monatliche Miete für die alte Wohnung. Die Telefonrechnung für sechs Tage belief sich auf über 600 DM, denn eine Minute in die Mongolei zu telefonieren kostete 3,20 DM und ich hatte eine halbe Stunde am Tag telefoniert.
 Ich kaufte sehr preiswert Damen-, Herren- und Kinderschuhe ein, und schickte die dann in Paketen mit bis zu hundert Paaren zu meiner Schwester in die Mongolei. Sie verkaufte die Schuhe auf dem Markt.
 Die Leute feuerten den Fahrer an, der gab sein Bestes, fuhr immer schneller, bis es stockdunkel war und wir nicht nur den Wolf, sondern auch die Orientierung verloren hatten.
 Am letzten Arbeitstag vor dem Urlaub bat mich mein Chef zu sich ins Büro. Ich bekam die Kündigung.
 Der Jeepfahrer hat unser Auto an einer geeigneten Stelle des Flusses hinüber gezogen. Sonst hätten wir die Reise wirklich nicht fortsetzen können.
 Meine Kinder waren auf der einen Seite traurig, aber auf der anderen Seite freuten sie sich auf ihre Freunde und auf zu Hause. So verbrachten wir die Sommerferien und den Urlaub.
Beim Rückflug hatten wir in Moskau nur zwei Stunden Wartezeit.


Die Erinnerungen der kleinen Steinblume sind als bebildertes Taschenbuch
mit einigen gesonderten Farbseiten im EWK-Verlag erschienen.

ISBN 978-3-038175-26-2 - 11,70 Euro

 


Hier gehts weiter zu den Verlagsseiten

und hier zum Impressum - damit es niemand vermissen muss:
Impressum